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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Fabel vom barmherzigen Hirten

An die Ränder gehen

19. Januar 2017
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Es war einmal ein Hirte, der liebte seine Schafe über alles, besonders die störrischen Böcklein und die überstelligen Jungtiere. Ihnen galt seine ganze Sorge. Und wenn eines von diesen weglief, so überliess er die Herde seinen Buben und den Hunden und ging ihm nach, bis er es gefunden hatte. An einem schönen Frühlingsmorgen lief wieder einmal ein solcher Windfang weg. Sofort machte er sich auf und eilte ihm nach. Er brauchte nicht lange zu suchen. Auf jener Weide, die ganz nahe bei der Höhle der Wölfe lag, fand er ihn, gemütlich und sorglos die feinen Kräuter dort abgrasend. Er ging zu ihm hin, streichelte ihn. Dann setzte er sich zu ihm, redete ihm gut zu und sagte: „Schau, hier ist es ziemlich gefährlich. Wollen wir nicht lieber wieder zur Herde zurückgehen?“ Das Tier schüttelte den Kopf. „Ach ja“ sagte der Hirt „Ich weiss, du bist müde und hungrig von dem weiten Weg. Und die Gräser hier sind ja auch wirklich so zart und saftig. Also grase ruhig noch ein wenig weiter bis du satt bist. Dann werden wir heimkehren.“ Dann setzte er sich ins Gras und sah zufrieden seinem Schäfchen zu. Als aber am anderen Morgen der Hirte immer noch nicht zur Herde zurückgekommen war, machte sich der älteste seiner Söhne auf, ihn zu suchen. Doch er fand nur noch ein paar Knochen, vom Schaf und vom Vater.




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