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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Hans im Glück

Ein Bild für unsere Kirche heute?
 
30. Januar 2020
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Bereits im Jahr 1968 fühlte sich Professor Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) im Vorwort zu seinem Buch «Einführung in das Christentum» an die Märchenfigur «Hans im Glück» erinnert, um die Entwicklungstendenzen in der damals modernen Theologie zu umschreiben. Er schrieb:

«Wer die theologische Bewegung des letzten Jahrzehnts beobachtet hat und nicht zu jenen Gedankenlosen gehört, die das Neue unbesehen jederzeit auch schon für das Bessere halten, könnte sich wohl dabei an die alte Geschichte vom "Hans im Glück" erinnert fühlen: Den Goldklumpen, der ihm zu mühsam und schwer war, vertauschte  er der Reihe nach, um es bequemer zu haben, für ein Pferd, für eine Kuh, für eine Gans, für einen Schleifstein, den er endlich ins Wasser warf, ohne noch viel zu verlieren — im Gegenteil: Was er  nun eintauschte, war die köstliche Gabe völliger Freiheit, wie er meinte. Wie lang seine Trunkenheit währte, wie finster der Augenblick des Erwachens aus der Geschichte seiner vermeinten Befreiung war, das auszudenken überlässt jene Geschichte, wie man weiß, der Fantasie ihrer Leser. Dem besorgten Christen von heute aber drängen sich nicht selten Fragen wie diese auf: Hat unsere Theologie in den letzten Jahren sich nicht vielfach auf einen  ähnlichen Weg begeben? Hat sie nicht den Anspruch des Glaubens, den man allzu drückend empfand, stufenweise herunterinterpretiert, immer nur so wenig, dass nichts Wichtiges verloren schien, und doch immer so viel, dass man bald darauf den nächsten Schritt wagen konnte?»

Je länger ich es mir überlege, desto mehr glaube ich, dem ist auch in Bezug auf die heutige Theologie, ja für die ganze moderne Kirche nichts hinzuzufügen, ausser vielleicht, dass der Deutsche synodale Weg und ähnliche Bestrebungen wohl auch nichts anderes sind als Schritte auf diesem Weg.


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