Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Das Heil der Seelen  

Psychohygiene oder die Sorge um das ewige Heil

19. Februar 2015

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In seinem Interview zur Fasnacht sagte der Stadtpfarrer von Solothurn, sein Grundsatz sei, alles zu tun, was dem Heil der Seelen dient. Solche Worte hört man heute selten. Früher, als der Priester noch der „pastor fidelis animarum fidelium“, der „treuer Hirten der Seelen der Gläubigen“ war (woraus sich schlussendlich der Begriff „Pfaff“ entwickelte), da war klar, was man meinte, wenn man vom Heil der Seelen sprach. Es ging um das ewige Heil der unsterblichen Seelen. Und in diesem Zusammenhang sprach man dann oft von den „letzten Dingen“, Tod, Gericht, Himmel und Hölle. Heute, wo aus der kleinsten Andeutung an einen gerecht richtenden Gott schon eine Drohbotschaft, und damit eine schwere Sünde gegen die Liebe Gottes gemacht wird, ist längst nicht mehr klar, was denn unter dem „Heil der Seelen“ verstanden werden soll.

Das erwähnte Interview geht auf diese Frage nicht ein. Es dreht sich alles um das Wohl des Menschen hier und jetzt, vornehmlich um das psychische Wohl. Das ewige Heil, sofern es ein solches überhaupt gibt, erscheint eher als ein Automatismus, eine Art Prädestination. Irgendwann bringt dann der Journalist den Begriff der „Psychohygiene“ ins Spiel. Leider geht Herr Stadtpfarrer nicht darauf ein. Mir scheint dieser eine treffende Umschreibung dessen zu sein, was heute mancherorts unter Seelsorge verstanden wird. Als Psychiater sind unsere Seelsorgenden zwar logischerweise zu wenig ausgebildet. Trotzdem scheint ihr Hauptaugenmerk auf der Psyche des Menschen zu liegen, wenn sie sich nicht gerade für Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einsetzen oder für Spenden an dieses oder jenes Hilfswerk weibeln. Eine heile Psyche gibt den Menschen die Kraft, manche Durststrecke des Alltags durchzustehen. Was will der Mensch denn mehr, als möglichst glücklich durch sein Leben zu gehen. Was nachher kommt, wer kann das wissen?

Ist es wirklich das, was unsere Kirche unter Seelsorge versteht und weshalb sie sich die Mühe nimmt, Seelsorger auszubilden? Macht sie sich damit etwa glaubwürdiger als mit den „Drohbotschaften“ von früher? Wäre es nicht vernünftiger, wieder einen ernst zu nehmenden Gott zu verkünden. Man muss ja nicht gleich wieder in Angst machende Höllenpredigten verfallen. Aber die klare Warnung „Lebensgefahr, Gefahr für das ewige Leben, bei … „ sollte nicht fehlen, immer verbunden natürlich mit der Aufforderung: „Lasst euch mit Gott versöhnen. Barmherzig ist er allen, die ihm in Demut nah’n.“ Er, der von uns fordert, siebenmal siebzigmal zu verzeihen, wird das auch uns gegenüber tun, jedes Mal wenn wir zu ihm zurückkehren wie der verlorene Sohn: „Vater, ich habe gesündigt.“ Er wird uns aber nie zu unserem ewigen Heil zwingen. Das müsste eigentlich die grosse Sorge der Seelsorgenden sein, dass niemand die Erlösung verweigert, die uns der Herr am Kreuz verdient hat.



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