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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Heilige Kommunion

das Heilmittel

02. Dezember 2016

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 Kein Katholik wird bestreiten, dass die Heilige Kommunion, der Genuss des Leibes und Blutes unseres Herrn auch, und nicht zuletzt, ein Heilmittel ist. Aber kein vernünftiger Mensch wird ein Heilmittel unbedacht anwenden, ohne Rücksicht darauf, ob es im konkreten Fall überhaupt geeignet ist und ohne zu überlegen, ob er es auch richtig anwendet.

Nehmen wir einmal ein einfaches Beispiel, ein Wundpflaster. Kein vernünftiger Mensch legt einfach ein solches auf die Wunde, bevor er diese gereinigt hat. Er riskiert sonst, dass sich darunter Eiter bildet und damit Wunde nur noch schlimmer, noch schwieriger zu heilen wird. Genauso ist es auch mit dem Leib des Herrn. Wenn er ein Heilmittel für unsere Wunden sein soll, so müssen wir diese zuerst mit der Reue und dem Vorsatz und, wenn die Wunde tief ist, in der Heiligen Beichte reinigen.

Ein anderes Beispiel: Es ist doch allgemein bekannt, dass Medikamente und Alkohol sich oft nicht vertragen, dass der Alkohol die Wirkung des Medikamentes aufheben, ja schlimmstenfalls in ihr Gegenteil verwandeln kann. Wenn wir also eine „Kur“ mit dem Heilmittel der Heiligen Eucharistie machen wollen, so müssen wir uns zuerst fragen, ob wir nicht zuerst den Konsum des „Alkohols“ der Sünde einstellen müssen.

Es ist auch allgemein bekannt, dass Alkohol und Medikamente zusammen schnell einmal die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen und uns so weiteren Gefahren aussetzen, uns, aber auch unsere Mitmenschen. Beides zusammen wird von jedem menschlichen Gericht als grobfahrlässig beurteilt werden. Ich würde sagen, wenn wir bewusst die Sünde und die Heilige Kommunion kombinieren, hat das sicher auch einen Einfluss auf Gottes Barmherzigkeit.

Und eine dritte Gefahr: Gerade bei stark wirkenden Medikamenten ist die Dosierung unbedingt zu beachten. Bei der Heiligen Kommunion ist die Gefahr einer Überdosierung zwar gering. Aber die Möglichkeit, dass wir uns bei gedankenlosem Gebrauch an das Medikament gewöhnen und dieses so seine Wirkkraft verliert, ist sicher gegeben. Die Gnade Gottes entfaltet sich ja nicht automatisch in uns. Wir müssen sie immer in rechter Gesinnung, in Demut und Bescheidenheit, aufnehmen und uns bemühen, mit ihr zusammen zu arbeiten.

Dies alles und vielleicht noch mehr sollten wir, so glaube ich, bedenken und auch verkünden, wenn wir von der heiligen Eucharistie als Heilmittel – nicht nur im Fall der wiederverheirateten Geschiedenen – sprechen. Es gibt auch Stellen in der Schrift, die darauf hinweisen. Mit fallen spontan drei ein: „Wer unwürdig isst und trinkt, isst und trinkt sich das Gericht.“ sagt Paulus. Oder das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der die Wunden nicht einfach verband, sondern zuerst Öl und Wein hinein goss, was die damals übliche Desinfektionsmethode war. Oder wenn Jesus davon spricht, dass der unreine Geist, wenn er keine andere Wohnung findet, versucht in die alte zurückzukehren, und wenn ihm dies gelingt, es mit diesem Menschen schlussendlich schlimmer wird als vorher.


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