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Kurztexte andere
Stefan Fleischer

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Gott der Herrscher und Gott der Vater

Der allumfassende Gott

25. Juni 2016

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Wurde der alttestamentliche Gott noch als König und Herrscher dargestellt, nennt Jesus denselben Gott „Vater“. Er ist ein menschenfreundliches Wesen, das Jesus gesandt hat. Sein Auftrag war die Rettung der Menschen. In erster Linie nicht ein Retten aus dem Elend dieser Welt, sondern ein Retten zum ewigen Leben, zur vollkommenen Gemeinschaft mit Gott.“ So schreibt der Kommentator eines Bibelkalenders zu Tit 3,4-8.

An sich ist an dieser Aussage nichts auszusetzen, solange sie richtig verstanden wird. Leider aber kann sie auch so verstanden werden, dass das Bild von Gott dem Herrscher überholt sei und von Christus durch das Bild des Vaters ersetzt wurde. Wenn wir in die heutige Verkündigung hinein hören, so spüren wir oft, dass dieses Missverständnis – bewusst oder unbewusst – weit verbreitet ist. Dabei spielt es keine Rolle, wenn der Begriff „Vater“ durch irgendein anders Wort, „Liebe“ z.B. oder „Barmherzigkeit“ ersetzt wird.

Christus hat uns vom Vater Kunde gebracht (Joh 1,18), sicher. Aber nicht so, als ob Gott nicht schon im Alten Testament der Vater gewesen wäre. „Ist das euer Dank an den Herrn, / du dummes, verblendetes Volk? / Ist er nicht dein Vater, dein Schöpfer? / Hat er dich nicht geformt und hingestellt?“ (Dtn 32,6) um nur ein Beispiel zu nennen. Und umgekehrt finden sich auch im Neuen Testament Stellen, in denen Gott als König und Herrscher bezeichnet wird.

Was heisst das für uns heute? Wir dürfen Gott nie auf ein einziges Wort, einen einzigen Begriff reduzieren. Gott ist immer alles zugleich, König und Herrscher genauso wie Vater und Erbarmer, Liebe und Barmherzigkeit genauso wie der gerechte Richter der Lebenden und der Toten. Wir müssen wieder lernen, Gott umfassend, allumfassend zu sehen und gerade darauf unsere Beziehung zu ihm aufzubauen. Wir müssen uns immer wieder bewusst werden, wo wir Gott einseitig auf einen einzelnen Aspekt, so richtig und wichtig er auch sein mag, zu reduzieren versucht sind. Wenn wir uns darum bemühen, so erschliesst sich uns plötzlich auch das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit neu. Ein Gott in drei Personen, ein Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist, ist das nicht der gleiche, der uns auch im umfassenden, manchmal sogar scheinbar gegensätzlichen Gottesverständnis der Schrift und der Überlieferung entgegen tritt?

„Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.“ (Mt 11,25) Lass uns, Herr, immer mehr Deine unmündigen Kinder sein, die das begreifen, und gleichzeitig Deine mündigen Söhne und Töchter, welche daraus leben, und so in eine immer tiefere Beziehung zu Dir, dem allumfassenden und deshalb unbegreiflichen Gott, hinein wachsen.


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