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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Was feiern wir eigentlich an Himmelfahrt?

Gedanken zu Maria Himmelfahrt
05. August 2017

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Wir hatten ein Terminproblem. „Nehmen wir den 15. August?“ fragte einer und blätterte in seinem Kalender um sofort hinzu zu fügen: „Geht nicht, das ist Maria Himmelfahrt.“ Wir haben den Termin dann um eine Woche verschoben.

Aber warum feiern wir Maria Himmelfahrt? Was feiern wir eigentlich genau?“ fragte ich mich auf dem Heimweg. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich im Katechismus nachsehen musste. „Nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes wurde die heiligste Jungfrau Maria mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen wo sie schon an der Auferstehungsherrlichkeit ihres Sohnes teilhat und so die Auferstehung aller Glieder seines Leibes vor wegnimmt.“ (Art. 974)

Für viele unserer Zeitgenossen, selbst Katholiken, ist dieses Hochfest nur noch ein arbeitsfreier Tag. Vor einiger Zeit feierten wir Christi Himmelfahrt. Auch bei diesem Fest ist es nicht viel anders. Auferstehung und Himmel sind weitgehend zu Worthülsen verkommen, an welchen noch gewisse Traditionen hängen, aber sonst nicht viel. In der Verkündigung von heute kommen sie vielerorts nur noch vor, wenn es nicht mehr anders geht. Heute dreht sich alles nur noch um die Liebe unseres Gottes, der mit uns durch dieses Leben geht. Was nachher kommt interessiert nicht mehr. Wenn es so etwas geben sollte, so wird Gott das für uns schon richten.

An Christi Himmelfahrt hatte ich mich kurz gefragt, warum Christus überhaupt in den Himmel aufgefahren ist. Hätte er sich diese Mühe nicht sparen können, wenn er doch immer bei uns bleibt, bleiben will? Im verklärten Zustand wie nach der Auferstehung, bald hier bald dort seinen Jüngern und der ganzen Welt erscheinend, hätte er doch weit mehr Möglichkeiten gehabt, eine bessere Welt hier und jetzt aufzurichten, als wenn er diese Arbeit ganz uns Menschen und vornehmlich seiner Kirche überlässt. Oder ist es vielleicht so, dass wir Menschen selber es so wollen, dass wir glauben alles selber tun zu können und zu müssen, dass wir Christus am liebsten in den Himmel verbannen würden, wenn wir nicht immer wieder feststellen müssten, dass wir ihn doch nötig (noch) haben?

So will denn Maria Himmelfahrt uns aufrütteln, wieder einmal an die letzten Dinge zu denken. Dass es dies auf eine Art und Weise tut von der man sicher nicht sagen kann, es sei eine Drohbotschaft, sollte uns modernen Menschen doch wirklich entgegen kommen. Christus ist nicht einfach nur auferstanden um mit uns hier uns jetzt weiter zu leben, in alle Ewigkeit Amen. Er ist auch in den Himmel aufgefahren. Sein eigentlicher „Platz“ ist nicht diese Erde. Es ist die Herrlichkeit des Himmels. Wenn er jetzt trotzdem mit dem Heiligen Geist bei uns und mit uns ist, so in erster Linie um uns zu sich und zu Vater heim zu führen. Die Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel ist die Bestätigung, dass diese Herrlichkeit auch unser Ziel ist, dass auch wir es erreichen können, und dass wir es ganz erreichen werden bei der Auferstehung der Toten. Und die Bedingung hierfür ist doch sehr einfach: „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,33) Dass wir dieses Reicht zuerst in der Auferstehungsherrlichkeit Christi suchen sollten, auch das wollen uns diese beiden Fest lehren.


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