Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Hoc est corpus meum  

Eucharistievereständnis und Glaube

25. September 2014

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Ein moderner Theologe gab mir eine Antwort auf meine Frage nach dem Eucharistieverständnis von heute. Sie fiel eigentlich recht klar, verständlich und irgendwie logisch aus. Und doch befriedigte sie mich nicht, sodass ich ihm zurück schrieb:

Herzlichen Dank für Ihre klare Darstellung des Eucharistieverständnisses der modernen Theologie. Gehe ich recht in der Annahme, dass dieses auf einem Glauben beruht, der nicht ganz deckungsgleich ist mit jenem, in welchem ich – noch vor dem Konzil – getauft und erzogen wurde, und zu dem ich mich in meiner Firmung öffentlich und bewusst vor Gott und den Menschen bekannt, dem ich die Treue versprochen habe? Meinem damaligen Versprechen fühle ich mich immer noch verpflichtet, zumal mir bislang keine lehramtlichen Äusserungen bekannt sind, dass unsere Kirche sich von diesem Glauben verabschiedet oder ihn relativiert hätte.

So gründet sich meine ganze Spiritualität auch heute noch, fast noch mehr als damals, auf jene Glaubenswahrheiten, die man uns damals als „conditio sine qua non“ der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft des Glaubens in der römisch-katholischen Kirche erklärt hat: Die wahre Gottheit Christi und damit den Glauben an den einen Gott in drei Personen. Den Kreuzestod Christi und seine wahre Auferstehung als Werk unserer Erlösung aus der Sünde. Und die wahre Gegenwahrt Christi, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit unter denn Gestalten von Brot und Wein.

Diese Überzeugung erlaubt mir eine sehr konkrete und ganz persönliche Beziehung zu dem, was ich darunter verstehe, wenn wir vom „Geheimnis des Glaubens“ sprechen. Das „hoc est corpus meum“ ist für mich keine Zauberformel, kein Hokuspokus, wie Sie es andeuten, sondern die zentrale Realität in meinem Eucharistieverständnis überhaupt. Sie gehört in den grossen Bereich des Geheimnisses Gottes, das sich unserer menschlichen Begrenztheit nur im Glauben erschliesst an das, was uns Gott selbst über sich geoffenbart hat.

Es ist diese Überzeugung, die es mir auch erlaubt, mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität hier und jetzt zu stehen. Sie verhindert, die Realität des Bösen in der Welt und in mir selber zu verdrängen, und irgend welchen Illusionen einer wahrhaft besseren Welt hier und jetzt oder in absehbarer Zukunft zu erliegen auf der einen Seite, und ohne mich lähmen zu lassen, das in meinen Kräften liegende zu tun, damit auch meine Mitmenschen und die ganze Schöpfung zu ihrem Recht kommen, damit sie nicht, oder zumindest weniger, leiden.

Es ist auch diese Überzeugung, die zur bewussten Anbetung Gottes führt und damit immer mehr weg vom eigenen Ich, von jenem Egozentrismus oder gar Egoismus, der die letzte Ursache von Leid und Elend in unserer Welt ist.


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