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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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"Ziel des Lebens ist es, glücklich zu sein


und mit sich selbst im Reinen."

24. Januar 2019
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"Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot." Diese Haltung wurde in meiner Jugend oft angeprangert. Sie ist auch heute noch verpönt. Jeder vernünftige Mensch spürt, dass dahinter mehr oder weniger purer Egoismus steht. Und so offen darf man diesen doch nicht pflegen. Schlussendlich will jeder ein "anständiger Mensch" sein. Auch das ist ein allgemein anerkanntes Ziel unseres Lebens.

Wenn also der Mensch von heute nach dem Sinn des Lebens fragt, so ist die Antwort oft: "Ziel des Lebens ist es, glücklich zu sein und mit sich selbst im Reinen." Natürlich gibt es von dieser Antwort allerlei verschiedene Varianten. Diese hier ist den "Glaubenssätzen" des moralistisch-therapeutischen Deismus gemäss den Soziologen Christian Smith und Melinda Lundquist Denton entnommen. Aber die Stossrichtung ist immer die gleiche, und der Egozentrismus dahinter, um nicht zu sagen der Egoismus, leicht auszumachen.

Wenn wir nun in die moderne Verkündigung unserer Kirche hinein hören, so müssen wir feststellen, dass das, was dort gesagt wird, oft nicht mehr weit von dieser Pseudoreligion entfernt ist. Es dreht sich alles um das Glück, das physische und psychische Heil des Menschen, um das Hier und Jetzt, und manchmal noch um eine heile Welt, welche wir aufzubauen berufen sind. Man ist zwar ehrlich genug um einzugestehen, dass eine solche noch in weiter Ferne liegt. Aber was tut's? Wenn man sich bemüht, wenn man sich einsetzt für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, so kann man sich auf die Schulter klopfen und ist im Reinen mit sich selbst.

Aber ist das christlich? Der Youcat formuliert: „Wir sind auf Erden um Gott zu erkennen und zu lieben, nach seinem Willen das Gute zu tun und einst in den Himmel zu kommen.“ Auch hier geht es darum, das Gute zu tun und unterwegs zu sein zu einer besseren Welt. Aber dafür nennt der Glaube eine Grundbedingung, nämlich Gott zu erkennen und ihn zu lieben. Man könnte auch formulieren "mit Gott im Reinen zu sein".

Wenn wir nur mit uns selbst im Reinen sind, dann ist das Glück noch lange nicht garantiert, zumindest nicht langfristig oder gar nachhaltig. Wenn wir nicht mit Gott im Reinen sind, dann ist "unser Herz unruhig bis es ruht in Gott" sagt der hl. Augustinus. Wie wir aber mit Gott ins Reine kommen können, das verkündete schon Paulus: "Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!" (2.Kor 5,20)

Darüber liesse sich vieles sagen. Entscheidend scheint mir, dass unsere Kirche und wir alle uns wieder bewusst werden, dass auch ein moralistisch-therapeutischer Ansatz nichts anderes ist, als ein Feigenblatt für unseren Egoismus, dass wir alle also wieder umkehren müssen zu Gott, von dem wir auf dem besten Weg sind, uns immer weiter zu entfernen. (vgl. Jes 31,6)



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