Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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In rechter Weise beten

 
Röm 8,26
 
Dein Wille geschehe

17. April 2021
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So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.

Es gibt Situationen in unserem Leben, in welchen wir nicht wissen, um was wir beten sollen. Es gibt Probleme, in denen es zwei oder mehrere mögliche Lösungen gibt, welche vordergründig etwa gleichwertig sind, von denen wir aber die Folgen, und die Folgen der Folgen, zu wenig kennen, sodass es durchaus möglich ist, die falsche zu wählen. Und es gibt Situationen, in welchen für mich selbst die eine Lösung die (vielleicht sogar wesentlich) bessere wäre, die andere aber meinen Nächsten mehr oder weniger schweren Schaden zufügen könnten. Und manchmal sehen wir auch gar keine positive Lösung, so dass wir nur zwischen zwei Übeln wählen können und dabei nicht einmal wissen, welches nun das kleinere wäre.

Paulus schlägt uns nicht zuletzt auch für solche Situationen vor: «Bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!» (Phil 4,4-9) Gott bitten, ja anflehen, dürfen, ja sollen wir Gott immer, wie das Gleichnis vom gottlosen Richter und der Witwe (Lk 18,1-8) uns zeigt. Dass wir dabei aber nicht, wie diese Witwe, mit Forderungen und Vorwürfen zu Gott kommen sollten, sollte klar sein. Gott ist niemals ungerecht und weiss besser als wir, was wir brauchen und wie wir es brauchen. Deshalb ist es immer angebracht, unserem Gebet auch gleich den Dank für die Erhörung anzufügen, auch wenn diese nötigenfalls nicht ganz unseren Erwartungen entsprechen sollte.

Und wenn wir auch so noch nicht wissen, um was bitten sollen, so bleibt uns noch jene Bitte, welche der Herr uns selbst gelehrt hat: «Dein Wille geschehe!» Einerseits ist das wohl jene Bitte, welche Gott am meisten freut. Ergebung in Gottes Vorsehung und Willen nannten unsere Vorfahren diese Haltung. Und andererseits ist sie auch für uns psychologisch die beste. So pflegen wir unsere Hoffnung, unser Gottvertrauen. Und so sind wir am wenigstens enttäuscht, wenn – um ein Bild aus einem anderen Gleichnis zu verwenden – Gott uns den Fisch gibt, den wir brauchen, und nicht den Skorpion, den wir uns so sehr wünschen und welcher uns sehr schaden könnte.

Und eine letzte Bitte, mit welcher wir nie fehl gehen können, ist dann jene des Fatimagebetes: «Verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel.» Ist es theologisch falsch zu sagen, dass der Geist wohl immer zuerst mit dieser Bitte für uns eintritt?


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