Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Euer Ja sei ein Ja

Mt 5,34-37
 
Du musst Dich entscheiden

16. Februar 2020
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Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs. Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

Einer der Schwerpunkte der Predigt unserer Pfarreiadministratorin am heutigen Sonntag (6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A) war dieses «Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein». Sie legte dar, wie schwierig es heute geworden ist, nach diesem Prinzip zu leben in einer Welt, wo die Informationsflut uns kaum noch die Möglichkeit gibt, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden. Unsere Kirche fordere aber von uns diese Entscheidung für das Gute und Wahre, unser Ja für Gott.

In unserer heutigen Welt ist die Bereitschaft, sich zu entscheiden, nicht immer leicht. Und die Bereitschaft, sich zu verpflichten, meist noch schwieriger. Letztere wurde in dieser Predigt nicht angesprochen. Diese aber ist dann meist noch schwieriger. Wenn sich zum Beispiel ein Mensch entscheidet, in den Dienst der Kirche zu treten, so bringt das die Verpflichtung mit sich, sich an die Lehre und Weisungen dieser Kirche zu halten und diese zu verkünden, nicht die eigene Meinung. Wenn nun ein Laie, entgegen den Vorschriften der Kirche, in der Heiligen Eucharistie die Predigt hält, so war sein Ja zum kirchlichen Dienst wohl doch nicht ein bedingungsloses Ja, seine Entscheidung nicht ein Ja im Sinn dieses Textes. In unserem Fall hier kann sich diese Theologin allerdings auf die Erlaubnis, auf den Auftrag des Bischofs berufen, wie mich mir sagen liess. Das Evangelium dieses Sonntags stellt also zuerst diesen Bischof vor die Frage, ob sein Ja anlässlich seiner Weihe ein Ja im Sinn des Herrn gewesen sei, oder vielleicht doch nicht so ganz, so radikal.

Für den aufmerksamen und glaubensmässig interessierten Katholiken aber stellte sich auch dann noch die Frage, in wie weit das Ja zur Kirche und ihrer Lehre dieser Predigerin ein solches «Mein Ja ist ein JA» war und geblieben ist. Wenn sie als Einleitung zum Evangelium, das sie - ich nehme an im Einverständnis mit unserem Bischof - vortrug, nicht von «Evangelium unseres Herrn, Jesus Christus», sondern nur von «Evangelium Christi» sprach, dann ist das wohl kaum jenes Bekenntnis zu Christus unserem Herrn, welches die Liturgie hier eigentlich von uns allen erwartet. Zumindest lässt sich daraus nicht unbedingt schliessen, dass diese Person Christus noch wahrhaft als ihren Herrn anerkennt. Der einfache Gläubige jedoch dürfte doch auch hier ein eindeutiges Ja zum Glauben der Kirche erwarten.

In unserem Fall jedoch war diese Theologin auch hier nicht allein mit Aussagen, welche weder ein klares Ja noch ein klares Nein zu Christus unserem Herrn sind. Wenn der Priester betete: «durch Christus unserem Herrn, der mit dir lebt und liebt», während die allermeisten Anwesenden noch das «der mit dir lebt und herrscht» des Originaltons der Heiligen Liturgie im Ohr hatten, so ist es wohl der mangelnden Aufmerksamkeit und/oder des mangelnden Glaubenswissen zuzuschreiben, dass die wenigsten Gläubigen diese Relativierung einer an sich klaren Aussage der Kirche bewusst wurden.

Die letzte und vielleicht entscheidenste Frage aber, welche sich mir bei dieser Predigt stellte - und was mir Gott vermutlich sagen wollte, als er diese zuliess - ist und bleibt: Wenn ich mich für diese, seine Kirche entscheiden habe, wenn ich in Taufe und Firmung mein Ja zu ihr und ihrer Lehre gesagt habe, war das nur «unter Vorbehalt», oder war es (und ist es geblieben) jenes Ja, von dem wir früher oft und gerne sangen:
«Fest soll mein Taufbund immer stehn, / ich will die Kirche hören! /
Sie soll mich allzeit gläubig sehn / und folgsam ihren Lehren! /
Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad' / in seine Kirch berufen hat, /
nie will ich von ihr weichen!»

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