Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wenn  -  dann

  Mt 25,1-10

Computerdenken

31. Januar 2018
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Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!

Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen den klugen und den törichten Jungfrauen dieses Gleichnisses? Als wir kürzlich wieder einmal über Computerlogik diskutierten, da fragte ich mich plötzlich, ob nicht auch die törichten Jungfrauen im Gleichnis in dieser Art des „Denkens“ gefangen waren? Der Auftrag lautete: „Wenn der Bräutigam kommt, nehmt eure Lampen und geht ihm entgegen.“ Vermutlich war auch noch abgemacht, wo sie auf ihn warten sollten. Die törichten Jungfrauen dachten nicht weiter: „Bedingung erfüllt. Der Herr kommt. Wir nehmen die Lampen und gehen ihm entgegen. Alles klar.“ Die klugen aber dachten noch etwas weiter: „Alles klar; aber haben wir auch alles, um den Auftrag auszuführen, das richtige Kleid, unserem Schmuck, die passenden Schuhe, unsere Lampen?“ Und da läutete bei Ihnen die Alarmglocke. „Es könnte ja sein, dass wir etwas warten müssen. Reicht dann das Öl in den Lampen? Nehmen doch vorsichtshalber noch eine Reserve mit.“

In der Computerlogik ist es doch auch so, wie bei diesen törichten Jungfrauen. Wenn die Bedingung stimmt, wird der Auftrag ausgeführt bis zur nächsten Verzweigung. Dort stellt sich wieder die gleiche Frage: Bedingung erfüllt, Ja/Nein. Und so geht es weiter bis zu dem Moment, wo man feststellen muss, dass die Ausgangsbedingung zwar erfüllt war, aber noch ein paar andere Bedingungen hätten berücksichtig werden müssen.

Dieses Ja/Nein-Denken breitet sich nach meinen Erfahrungen immer mehr aus, bis hinein in die Theologie, bis hinein in den Glauben. „Gott verzeiht alles“ zum Beispiel. Es gibt kaum eine Aussage unserer Glaubens, welche richtiger wäre. Was wir dabei aber immer wieder zu fragen vergessen ist: „Zwingt mir Gott seine Barmherzigkeit auf? Wären da nicht gewisse Vorbereitungen zu treffen, damit ich diese auch wahrzunehmen und dann anzunehmen bereit bin?“

Oder in unserem Beispiel: „Ich glaube, aber … „ kann zwar auch nur eine Ausrede sein, um nicht glauben zu müssen. Das kann, ja muss – richtig verstanden - immer auch in unserem Glaubensdenken stehen. Ich glaube. Ja. Ich glaube, was Gott uns geoffenbart hat. Sicher. Aber; habe ich genügend und ein qualitativ einwandfreies „Glaubensöl“ in meiner Lampe, um auch längerdauernde Perioden der Dunkelheit und des Zweifels überstehen zu können. Und habe ich auch Streichhölzer dabei für den Fall, dass die Lampe trotz allem einmal erlöschen sollte? Weiss ich auch, wo ich mir all das wieder beschaffen kann, wenn es einmal ausgehen sollte? Oder wäre es nicht sinnvoll, noch gewisse Sicherungen und Warnleuchten einzubauen, damit dies nicht passieren kann?

„Ja/Nein“ genügt eben nicht immer. Das ist Computerdenken. Gott hat uns einen gesunden Menschenverstand gegeben, damit wir ihn nutzen, sogar im Glauben. Er schenkt uns auch die Weisheit, dies in rechter Weise zu tun, wenn wir ihn darum bitten. Haben wir nicht auch schon die Erfahrung gemacht, dass wir, wenn wir Gott bitten, dann „wie von selbst“ die richtigen Lösungen, beziehungsweise die richtigen Fragen finden? „An Gottes Segen ist alles gelegen!“ Er ist der Allwissende und Allmächtige. Er liebt uns bedingungslos - sofern wir uns seine Liebe gefallen lassen.

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