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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Kirchenkrise

Offene Antwort auf ein persönliches Schreiben einer besorgten Person
05. Oktober 2019
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Herzlichen Dank, dass Sie mir geschrieben haben. Sie sprechen einen sehr wichtigen, aber meist verschwiegenen Aspekt unserer heutigen Kirchenkrise an. Sehr viele, unbewusst vielleicht sogar die grosse Mehrheit der Gläubigen, fühlen sich in unserer Kirche heute sehr alleine, allein gelassen von ihren Hirten aller Hierarchiestufen, allein gelassen deshalb auch oft von ihren Angehörigen und Freunden, welche selbst mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben. Unsere Kirche ist - menschlich gesehen - hoffnungslos zersplittert. Der Bogen zwischen den Sedisvakantisten am konservativen Rand und der Maria 2.0 Bewegung am modernistischen ist gross und vielfältig. Und das eigentliche Lehramt der Kirche hat scheinbar nicht mehr die Kraft einzugreifen, die vernünftig denkenden Gläubigen in ihrem Schoss zu einen und die unbelehrbaren Extremisten beider Seiten in die Schranken zu weisen, und notfalls auch aus der Kirche auszuschliessen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kirche ein einer solchen oder ähnlichen Krise steckt. Sie hat noch alle überlebt, in einigen Fällen auch dadurch, dass sich Teile loslösten und verselbständigten. Das Erfolgsrezept war immer die Rückbesinnung auf Gott, das Festhalten an der Offenbarung in der Schrift und der Überlieferung, und eine Neubelebung des Gebetes und der Frömmigkeit, nicht zuletzt der Volksfrömmigkeit und der monastischen Tradition. Das wird schlussendlich auch der Weg aus der Krise von heute sein. Ob es dazu einer weiteren Spaltung bedarf, damit sich die Spreu vom Weizen trennt, das weiss im Augenblick erst Gott allein.

Für die Kirche heisst dies, dass sie die Aufforderung des Völkerapostels wieder ernst nehmen muss: «Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung». (2.Tim 4,2) Für uns Gläubige bedeutet dies: «Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören.» (1.Tim 4,16) Für alle geht es nicht um «gewandte und kluge Worte» (vgl. Kor 2,4), auch nicht um spektakuläre Programme oder Aktionen. Es geht um ein Leben, voll ausgerichtet auf Gott, seinen heiligen Willen und unser und aller ewiges Heil. Es geht um Treue und Gottvertrauen. «Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, / ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, / dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.» (Ps 23,4)

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen von Herzen viel Kraft und Mut und Gottes Segen.


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