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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Unsere Konsumgesellschaft

und wir Gläubigen?
09. Januar 2018

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Über die Konsumgesellschaft in unserer heutigen Welt wurde schon viel gesagt und geschrieben. Mehr wäre Eulen nach Athen tragen. Aber gerade in letzter Zeit habe ich verschiedene Artikel und Kommentare gelesen, bei welchen in mich fragen musste, ob diese Konsummentalität sich nicht auch schon in unserer Kirche breit gemacht hat.

Wie oft spricht man in unserer Kirche heute nicht von Angeboten. Und wenn diese uns schmackhaft genug präsentiert werden, und nicht gerade noch bessere auf dem Markt sind, dann konsumieren wir sie gerne. Schlussendlich sind sie, selbst unter Berücksichtigung der Kirchensteuer, noch verhältnismässig günstig zu haben. Wie oft überlegen sich unsere Leitungsgremien nicht geradezu krampfhaft, wie wir wieder einen grösseren Marktanteil bei den spirituell ansprechbaren Personen gewinnen könnten. Und wie sorgfältig vermeiden sie es von den Pflichten der Gläubigen zu sprechen. Das könnte uns ja Kirchgänger, oder - schlimmer noch - Steuerzahler, kosten.

Aber diese Konsummentalität betrifft nicht nur unser Verhältnis zur Kirche. Sie betrifft – und fast niemand scheint sich dessen bewusst zu sein – auch unser Verhältnis zu Gott. Hand aufs Herz! Ist nicht Gott auch für uns so etwas wie ein Anbieter unter vielen anderen geworden? Wir sprechen von seiner Liebe, die wir uns gerne gefallen lassen. Wir sprechen von seiner Barmherzigkeit, welche wir ganz selbstverständlich entgegen nehmen. Wir reden davon, dass er immer mit uns ist und leben so, als sei es seine Pflicht, uns zu begleiten, als sei er unser Bodyguard. Wir rufen zu ihm, wenn wir ihn brauchen. Aber mit seinen Wünschen oder gar Geboten soll er uns gefälligst in Ruhe lassen. Wir folgen gerne diesem Jesus, solange er uns Freude in Fülle schenkt. Aber am Gartentor von Gethsemane hört für uns der Spass auf. Und wenn ich an den Empfang der Heiligen Kommunion denke, dann frage ich mich allen Ernstes, ob auch dieses überwältigende Geschenk unseres Herrn an uns im ganzen „Gottesdienstbetrieb“ - nicht zuletzt auch für mich selber - immer wieder, vielleicht sogar öfters, mehr oder weniger zum blossen Konsum wird.

Was ist zu tun? Ich glaube, wir müssen uns selber und dann der ganzen Welt wieder klar machen, dass Gott nicht einfach irgend wer oder gar nur irgend etwas ist, sondern tatsächlich der Herr, unser Gott. Wir müssen wieder bewusst an seine ganze Grösse und Herrlichkeit, seine Macht und seinen heiligen Willen glauben. Wir müssen seine ganze Nähe zu uns als das ansehen, was sie ist, reines Geschenk, reine Gnade. Wir müssen wieder von Heiligkeit sprechen, von Gnade und von Segen. Wir müssen wieder Gott ins Zentrum von allem stellen. Wir dürfen nicht weiterhin Sünde und Schuld ausklammern, denn nur dann wird seine Barmherzigkeit für uns nicht eine Selbstverständlichkeit. Wir müssen wieder glauben, dass wir auf Erden sind um Gott zu dienen und einst in den Himmel zu kommen. Nur dann können wir der Versuchung widerstehen zu meinen, dass Gott uns zu dienen habe, dass auch er nur ein Player auf dem Markt für psychische (und materielle) Wellness und Heil sei. Wir müssen wieder Jünger sein wollen, nicht Konsumenten. (vgl. Mt 16,24 u.Syn.)


Mt 16,24
Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.





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