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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Verrat am Konzil?

Der Geist des Konzils?

16. Augut 2016

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Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit der Geist des Konzils beschworen. Dieser Ruf ist weitgehend verhallt. Auch Zitate aus den Konzilsdokumenten hört und liest man nur noch selten. Oft hat man den Eindruck, unsere Kirche heute, besonders in unseren Breitengraden, sei längst weiter fortgeschritten, und schreite immer weiter fort von dem, was Kirche, was der Glaube der Kirche vor dem Konzil war. Selbstverständlich gab es damals vieles an dieser Kirche, das gereinigt werden musste, zurückgeführt hätte werden müssen auf den Kern der Botschaft, in Treue zur Überlieferung neu zu regeln und zu formulieren war. Das war die Aufgaben, die sich das Konzil gestellt hatte. Das war der Geist, den das Konzil beseelte Das ist der Geist, der aus allen Dokumenten spricht.

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Konzilstexte wieder einmal ganz zu lesen. Und schon beim ersten Dokument, der Konstitution über die heilige Liturgie, „Sacrosanctum Concilium“ drängt sich mir die Frage auf, ob die Umsetzung dieser ganzen Arbeit nicht eine falsche Richtung eingeschlagen hat, ob die konkrete Anwendung dieser Texte nicht ihrem eigentlichen Sinn zuwider läuft. Nur ein Beispiel: Unter den allgemeinen Regeln für die angestrebte Liturgiereform steht (Lit 22,3): „Deshalb darf niemand sonst (als der apostolische Stuhl und nach Massgabe des Rechtes der Bischof), auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern“. Ist es übertrieben zu behaupten, dass sich heute – besonders bei uns im deutschen Sprachraum – sozusagen niemand mehr an diesen Grundsatz hält? Ja, müsste man beim Umgang mit der heiligen Liturgie heute nicht schon bald einmal von einem Verrat am Konzil sprechen?

„Aus der Liturgie, besonders aus der Eucharistie, fließt uns wie aus einer Quelle die Gnade zu; in höchstem Maß werden in Christus die Heiligung der Menschen und die Verherrlichung Gottes verwirklicht, auf die alles Tun der Kirche als auf sein Ziel hinstrebt.“ (Lit 10) Heute scheint mir oft, unsere Kirche sei vorrangig auf das irdische Heil des Menschen, auf jene heile Welt hier und jetzt ausgerichtet, welches die Illusion aller Ideologien aller Zeiten war und ist.



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