Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Weil du aber lau bist 

Offb 3,15-16

  Das Himmelreich leidet Gewalt
 

28. Juli 2015
Aphorismen
Gedanken-
splitter

Gedanken-
splitter Archiv

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten

Spruch der
Woche






Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.

Als ich kürzlich meinem Arzt erzählte, dass es meinem Schatz, der mit Alzheimer in einem Heim leben muss (er ist dort Heimarzt), offensichtlich gut tut, wenn ich mit ihr den Rosenkranz bete,  sagte er, seine Grossmutter habe den auch gebetet, aber … . Der Tonfall liess mich aufhorchen. Er war nicht positiv und auch nicht ablehnend. Er war einfach irgendwie gleichgültig. Auf dem Heimweg wurde mir immer mehr bewusst, dass dieser Tonfall heute sehr oft anzutreffen ist. Solange es um die Kirche in dieser Welt geht, wird oft mit viel Einsatz, positiv oder negativ, diskutiert. Wenn es dann aber um den Glauben selbst geht und um das konkretes Leben aus dem Glauben, um Gott und um Christus, den Gekreuzigten, wird alles plötzlich irgendwie relativ, gleichgültig, selbst bei engagierten Christen. Es wird viel von der Gemeinschaft der Kirche geredet und viel für diese Gemeinschaft getan und organisiert. Wenn es dann aber um die persönliche Gottesbeziehung geht, dann ist das etwas, das man pflegen kann, wenn man will, das man aber auch genauso gut einfach irgendwie neben allem anderen mitlaufen lassen kann.

Ist aber nicht diese Gleichgültigkeit Gott gegenüber im konkreten Alltag jene Lauheit, von der Christus hier spricht? Haben wir es nicht selber schon erfahren, wie viel schlimmer es ist, wenn wir von anderen wie Luft behandelt werden, als wenn sie uns offen entgegen treten? Wenn wir nun diese Erfahrungen auf Gott übertragen, dann kann es uns plötzlich kalt über den Rücken laufen. Dann könnte es nämlich tatsächlich sein, dass dieser oder jener „schlechte Kerl“ Gott näher steht, weil er im Grunde genommen eine viel persönlichere Beziehung zu Gott hat als wir.

„Das Himmelreich leidet Gewalt“ (vgl Mt 11,12) Menschen mit einer feurigen Liebe zu Gott haben das begriffen. Irgendwie begriffen, wenn man es so sagen darf, haben es auch all jene, die mit ganzem Eifer gegen Gott antreten. Nicht ganz begriffen aber haben das wir, die Lauen, die glauben, wir seinen Gott so gleichgültig, dass ihm selbst unsere mangelnde Liebe gleichgültig ist.





******



Home
weitere Texte
Archiv
nach oben