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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Leben aus dem Glauben

Geheimnis des Glaubens
27. Oktober 2018
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Mein altes Hirn ist manchmal wie die Festplatte meines Computers. Ich suche nach etwas und dann stosse ich auf etwas ganz anderes, das ich längst gelöscht glaubte. Als ich mich daran machte etwas zu diesem Thema zu schreiben, da erinnerte ich mich plötzlich an eine Radiosendung meiner Jugend. Es ist mindestens sechzig Jahre her. Darin wurde ein Buch - oder war es ein Spiel? - besprochen mit dem Titel: "Tausend Fragen warum".

Was heisst das eigentlich leben aus dem Glauben? Was heisst glauben? Was muss ich glauben, aus welchem Glauben heraus muss ich leben? Warum soll ich überhaupt aus dem Glauben leben? Tausend Fragen stellen sich, immer wenn wir nach dem Leben aus dem Glauben fragen. Und manchmal kommen diese eigentlich erst dann so richtig, wenn der Priester uns in der Homilie wieder aufgefordert hat, aus dem Glauben zu leben.

Was meinen die Prediger heute genau mit diesem "Leben aus dem Glauben"? Meine Erfahrung ist, dass diese Aufforderung in der Verkündigung eigentlich oft vorkommt, aber dann selten vertieft, konkretisiert wird. Ich hatte zum Beispiel auch schon den Eindruck, darunter werde ein Leben nach dem Vorbild Jesu gemeint. Das hat aber mit glauben eigentlich wenig zu tun. Dann wiederum liegt der Akzent auf einem Leben in Dienst des Nächsten. Auch hier, das kann man ohne zu glauben.

Glauben im christlichen Sinn heisst – wenigstens für mich – für wahr halten, was Gott uns geoffenbart hat. Leben aus dem Glauben heisst dann, eine Beziehung zu diesem Geheimnis, das Gott ist, aufzubauen, mich in dieses Geheimnis zu vertiefen, aus diesem Geheimnis heraus zu handeln, auf dieses Geheimnis zu vertrauen. Leben aus dem Glauben, so könnte man auch sagen, heisst dann leben "per ipsum et cum ipso et in ispo". Auch diese Formulierung der Liturgie meiner Jugend kam mir beim Schreiben plötzlich wieder in den Sinn: "Durch ihn und mit ihm und in ihm."

Das müsste jetzt eigentlich noch eingehend erläutert, konkretisiert werden. Aber lassen wir es einmal einfach so stehen und in uns wirken. Das kann uns dann vielleicht ein wenig jene Angst nehmen, welche ich manchmal bei mir und anderen beobachte, jene sonderbare Unsicherheit in uns, wenn es um Gott geht. Diese liegt meist darin, dass der Mensch von heute voll auf das Wissen konzentriert ist, dass er irgendwie den Umgang mit dem Geheimnis verlernt hat. Noch in meiner Jugend war das viel weniger der Fall. In diesem Sinn trauere ich ein wenig den "stillen Heiligen Messen" von damals nach. Nicht dass ich sie mir zurückwünschen würde. Aber das Gespür für das Geheimnis, das Heilige, welches dort immer mehr oder weniger stark vorhanden war, das fehlt mir in der neuen Liturgie oftmals ein wenig, besonders wenn der Zelebrant den Wortgottesdienst fast ganz auf das Hier und Heute ausgerichtet hat und ich mich anschliessend innerlich bewusst umstellen muss auf dieses grosse "Geheimnis des Glaubens", das wir dann feiern. Dabei ist doch die Eucharistie "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens". (KKK1324)
 

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