Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Herr, lehre uns beten

  Lk 11,1-4
 
Dein Wille geschehe

21. August 2017
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Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: „Vater, / dein Name werde geheiligt. / Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; / denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. / Und führe uns nicht in Versuchung.“

Die Fürbitten des Eröffnungsgottesdienstes zur Firmvorbereitung unserer Pfarrei hatten mich irgendwie unbefriedigt gelassen. Sie waren ziemlich einseitig gesellschaftspolitisch ausgerichtet. Wie aber können unsere Firmlinge beten lernen, wenn es scheinbar nur darum geht, Gott unsere Wünsche vorzutragen, unsere Visionen für eine bessere Welt hier und jetzt, von denen wir alle spüren, dass sie in dieser Welt Wunschträume sind und bleiben werden? Natürlich müssen wir alle an einer besseren Welt arbeiten und auch darum beten. Aber als Christen sind wir doch Realisten und müssen es bleiben.

Beim „Vater unser“ erinnerte ich mich dann plötzlich an die Stelle bei Lukas. „Herr, lehre uns beten.“ Ist nicht das eine der wichtigsten Bitten unseres Lebens? Und was antwortet unser Herr darauf? Im ganzen Gebet, das er uns lehrt, bleibt von all den Bitten, welche heute so oft und gerne vortragen werden, eigentlich nur „Gibt uns das Brot, das wir brauchen.“ Will uns der Herr damit nicht anleiten, immer zuerst um das zu beten, was wir tatsächlich brauchen und nicht um Überfluss irgendwelcher Art? Und was wir auch brauchen, aber viel zu oft vergessen, dass wir es bauchen, folgt sogleich: „Und erlass uns unsere Sünden.“ Daran schliesst sich dann das Versprechen an: „denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist.“ Wie schön und gut wäre nicht eine Welt, in welcher jeder hat, was er braucht, nicht mehr und nicht weniger, und gerne bereit ist jedem anderen zu verzeihen.

Damit dies aber möglich wird beginnt das Gebet des Herrn mit: „Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.“ Ein Reich, in welchem der Wille des Herrn geschieht, das ist jenes Reich Gottes, um das wir beten, an welchem wir arbeiten sollen. Und damit dieses Gebet ehrlich sei, müssen wir den Namen Gottes heiligen, oder um es für unsere Zeit verständlicher auszudrücken, Gott als Gott ernst nehmen. „Führe uns nicht in Versuchung“ als Abschluss des Gebetes heisst dann: „Halte die Versuchung von uns fern, sein zu wollen wie du, zu glauben, unser Heil auch ohne dich schaffen zu können.


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