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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Leib, Psyche und Seele

Der Leib-Seele-Dualismus
14. Oktober 2018
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Wenn wir heute zu einem modernen Theologen mit der unsterblichen Seele kommen, so verwirft er die Hände: Einen Leib-Seele-Dualismus gibt es nicht! Mir ist kürzlich ein Artikel zu diesem Thema in die Finger gekommen, der diese Aussage des Langen und Breiten erklärt und zu beweisen versucht. Dabei kam mir unweigerlich die Frage: "Und wo bleibt Gott?"

Der fragliche Artikel belegt ganz klar und logisch, dass es aus rein naturwissenschaftlicher Sicht diesen Leib-Seele Dualismus nicht gibt, beziehungsweise nicht geben kann. Ich glaube, wir Christen brauchen keine Zeit zu verschwenden, um dagegen anzutreten, aus dem einfachen Grund, dass es sich bei diesem "Dualismus" um eine religiöse Frage handelt, welche ohne Gott, ohne die Offenbarung nicht gelöst werden kann.

Allerdings könne man zumindest zu der mir vorliegenden Argumentation die Frage stellen, ob ihr Irrtum vielleicht darin liegt, dass sie Seele mit Psyche gleichsetzt. Sie spricht immer nur von Seele. Von der Psyche ist nirgends die Rede. Wikipedia bringt den Unterschied auf den Punkt, wenn dort steht: "Die Psyche (altgriechisch ψυχή, deutsch ‚Seele') kann als ein Ort menschlichen Fühlens und Denkens verstanden werden. Sie ist die Summe aller geistigen Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen. Im Gegensatz zur Seele umfasst die Psyche keine transzendenten Elemente." Für uns Christen aber gehört die Seele eindeutig in diesen transzendenten Bereich. So gesehen müsste es also heissen: "Einen Leib-Psyche-Dualismus gibt es nicht."

Die Schrift spricht nicht von Psyche. Diesen Begriff gibt es dort nicht. Aber eine kleine Suche mit dem Wortpaar "Seele Geist" (in der EÜ) ergibt acht Fundstellen im Alten und Neuen Testament. Die deutlichste dürfte jene in Hebr 4,12 sein: "Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens." Müssten wir vielleicht von einem "Leib-Psyche-Seele-Trialismus" (wobei wir dann Seele im Sinn von "transzendenter Teil des menschlichen Wesens" verstehen) sprechen? Diese Frage überlasse ich gerne den Philosophen.

Interessant ist eine Feststellung, welche wir in der heutigen Verkündigung oft machen. Wenn es um die Frage nach der Auferstehung und der zukünftigen Welt geht, dann hat diese vielfach keine Antwort darauf, was denn zwischen dem Tod des Menschen und jenem neuen Himmel und jener neuen Erde sein wird, den die Schrift verspricht. Die Katechese meiner Jugend erklärte, dass der Leib vergänglich ist und erst beim jüngsten Gericht wieder aufersteht. Und zur Frage, wie dieser Leib dann sei, schreibt Paulus: "Was für eine törichte Frage!" (1,Kor 15,36) Die Seele aber geht dann bereits in jenen Zustand über, in welcher sie wieder mit dem verklärten Leib vereinigt werden wird, nötigenfalls auf dem "Umweg" über einen "Ort der Reinigung". (Übrigens, diesen dürfen wir sicher auch als die grosse Hoffnung für uns sehen, wenn wir uns in der Todesstunde noch nicht rein genug fühlen für die ewige Herrlichkeit.) Wie genau das alles sein wird, das ist ganz klar auch eine jener "törichten Fragen", von welcher Paulus spricht. Nun müssen wir nur noch die reine Psyche des Menschen als Teil des sterblichen Leibens sehen, dann haben wir kein Problem mehr damit, von der unsterblichen Seele zu sprechen, so wie es meine Eltern noch ganz selbstverständlich taten.


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