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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Der Leib-Seele Dualismus

Theologisch wie immer ohne Gewähr
01. September 2017

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„Der Leib-Seele-Dualismus ist doch ein Produkt der heidnisch-hellenistischen Philosophie“ schleuderte mir ein Diskussionsteilnehmer entgegen, als ich davon sprach, dass das letzte Ziel des Menschen die ewige Heimat bei Gott sei. Ein Theologe erklärte mir dann im persönlichen Gespräch, dass der Leib-Seele-Dualismus in der Theologie von heute nicht mehr vorkomme. Der wertende Gegensatz von Leib und Seele, wie er besonders im Mittelalter verbreitet war, sei doch falsch. Der Mensch, seine Person, sei doch eine Einheit, in welcher sich Leib und Seele nicht auseinander dividieren liessen. In der Katechese meiner Jugend aber wurde tatsächlich noch zwischen den beiden unterschieden und dann den Tod als jener Augenblick erklärt, in welchen die unsterbliche Seele den sterblichen Leib verlässt.

Beruht die ganze Verwirrung vielleicht darauf, dass unter dem Begriff Seele heute immer mehr die Psyche des Menschen verstanden wird? Dann allerdings ist klar; ich als irdisches Individuum bestehe aus meinen physischen Leib und meiner Psyche. Beide bilden eine untrennbare Einheit, keiner der beiden kann unabhängig vom anderen existieren. Beide sind Teil unserer materiellen Welt. Beide werden beim Tod zerstört. In dieser Beziehung unterscheiden wir uns nicht vom Tier, das ja auch beides hat, wenn auch eine weniger ausgeprägte Psyche.

Was jedoch den Menschen von Tier unterscheidet ist seine Seele. Diese gehört nicht zur materiellen Schöpfung. Sie entsteht für jeden Menschen persönlich durch einen freien Willensakt Gottes und ist nicht jenem Tod unterworfen, dem alles irdische Leben sonst unterworfen ist. So wenigstens erklärte es uns damals unser Pfarrer. Dass diesem Teil meines Ichs eigentlich der Vorrang gebührt, scheint mir klar zu sein, dass deswegen weder die Psyche noch der Körper minderwertig sind ebenfalls.

Diese Sicht der Dinge erlaubt es nun zu unterscheiden, nicht nur zwischen dem körperlichen und dem psychischen Heil, sondern auch zwischen dem nun Körper und Psyche umfassenden diesseitigen Heils des Menschen einerseits und seinem ewigen andererseits. In diese Sicht öffnet sich auch ein Weg das Ärgernis des Kreuzes Christi zu begreifen, soweit wir dazu fähig sind. In seinem Tod, seinem „Unheil“, hat er unseren Tod, unser ganzes „Unheil“ überwunden und uns den Weg wieder eröffnet zum ewigen Reich Gottes, dem Reich des ewigen Heils.

Nun könnte man aber fragen, wozu dann die Auferstehung der Toten, die Auferstehung unseres Leibes gut sein soll. Zuerst einmal; die Frage nach dem Wie dieser Auferstehung bezeichnet Paulus in seiner direkten Sprache als Torheit. (vgl. 1.Kor 15,35-58) Darüber zu grübeln ist zwecklos. Das werden wir erst aus der Sicht des ewigen Lebens wirklich erfassen. Dass es sie geben wird, das ist unser, von Gott geoffenbarter Glaube. Wozu sie dient lernen wir zu verstehen, wenn wir bedenken, dass wir als Menschen von Gott geschaffen sind, nicht nur mit einer ewigen Seele, sondern auch mit einem irdischen Körper. Jenes: „Gott sah, dass es gut war.“ gilt wohl ganz besonders jenem Geschöpf, das er als sein Abbild geschaffen, dem er „den Lebensatem“ eingehaucht, eine unsterbliche Seele, Anteil an seinem ewigen Leben verliehen hat. Mit der Auferstehung des Menschen - so könnte man sagen – löst sich dann der Leib-Seele-Dualismus, in welchen uns der Sündenfall gestürzt hat, wieder auf. Damit werden wir dann definitiv wieder ganz, heil und gut.

Bleibt noch die Frage nach den letzten Dingen. Die Schrift ist klar. Nicht alle Menschen erreichen das letzte Ziel ihres Lebens, das ewige Heil. Darüber wurden schon ganze Bücher geschrieben. Hier möchte ich nur sagen: Gott ist Liebe und Liebe schenkt Freiheit. Der Mensch ist, im Gegensatz zu den übrigen Geschöpfen, dazu berufen sich in Freiheit für oder gegen Gott zu entscheiden. Der Entscheid für Gott führt zum ewigen Heil, der Entscheid gegen ihn zum ewigen Unheil. Dieser Entscheid ist der rote Faden in unserem ganzen Leben. Endgültig wird er im Augenblick des Todes, wo sich die unsterbliche Seele entweder Gott zuwendet oder von ihm abwendet. Die Bitte im Fatimagebet „bewahre uns vor dem Feuer der Hölle“ heisst aus dieser Sicht: „Hilf uns, die Entscheide für oder gegen Gott im Alltag so zu treffen, dass auch der letzte, definitive, sozusagen ganz selbstverständlich für Gott ausfällt.


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