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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Homosexualität ist lernbar

31. August 2018
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"Dummheit ist lernbar" war einmal der Titel eines viel beachteten Buches. "Homosexualität ist lernbar" bin ich versucht zu sagen.

Doch zuerst, damit wir uns richtig verstehen: Ich kann und will nicht behaupten, dass es nicht auch eine Homosexualität als tiefsitzende Neigung, Veranlagung oder wie auch immer gibt, welche nicht oder nur äusserst schwer zu heilen ist. Ich bin nicht Wissenschaftler. Ich kann und will auch nicht behaupten, dass eine "angelernte" Homosexualität, wie ich das nennen möchte, immer heilbar sei. Auch dazu fehlt mir jegliche Legitimation. Ich kann mich hier nur auf meine eigenen Erfahrungen stützen.

In unserem Internat, geführt von den Redemptoristen, waren sogenannte "amitiés particulaires", Partikularfreundschaften, streng verboten. Es galt die Regel: "Raro solo, numquam due, semper tres." (selten allein, nie zu zweit, immer zu dritt). Diese Vorschriften basierten auf dem Wissen, dass es im Leben des Menschen (ob nur bei uns männlichen oder nicht, weiss ich nicht) eine Phase gibt, in welcher man sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. Wir lasen damals auch die Geschichte: "Die Mädchenfeinde" (der Name es Autors ist mir entfallen), welche diese, soweit ich mich erinnere, recht gut beschreibt. Diese Phase habe ich selber auch erlebt. Diese Vorschriften und eine gute Katechese der Lehre der Kirche bezüglich Sünde und Schuld, welche - wie ich heute weiss – leider schon damals nicht überall sonst gewährleistet war, halfen mir, diese Phase auch in einer reinen "Männergesellschaft" relativ problemlos zu bewältigen und zu einem ehefähigen Mann zu werden.

Später einmal, in meiner Basler Zeit, als ich noch keinen genügenden Bekannten- und Freundeskreis aufgebaut hatte, kam ich irgendwann in Kontakt mit einem Mann, der sich also homosexuell zu erkennen gab und mich einlud, es auch einmal zu probieren. Das Wissen um das Gebot Gottes verbot es mir, darauf einzugehen. Er liess dann bald von mir ab. Wäre ich aber darauf eingegangen, davon bin ich überzeugt, wäre ich wohl nur noch sehr schwer wieder aus diesem Sumpf herausgekommen.

Wenn ich es mir das jetzt überlege, so wird heute eine Unterscheidung viel zu wenig gemacht und in der Erziehung und Verkündigung berücksichtigt. Es geht um den Unterschied zwischen der Neigung oder Veranlagung einerseits und dem Ausleben dieser Neigung andererseits. (Dass diese Unterscheidung auch sonst – und nicht nur im ganzen sexuellen Bereich – sehr vernachlässig wird, ist ein anderes Problem.) Die Erziehung meiner Jugend war sehr stark auf Selbstbeherrschung, und im Internat dann auch sehr stark auf das Bewusstsein der uns nötigen Hilfe Gottes in jeder Situation unseres Lebens, ausgerichtet. Neigungen und Veranlagungen sind weder gut noch böse. Entscheidend ist immer, wie man damit umgeht. Sie sind da um beherrscht und auf das Gute und Richtiger ausgerichtet zu werden, und nicht um uns von ihnen beherrschen zu lassen. Eine gute Erziehung, eine gute Umgebung, ein fester Wille und eine gesunde Gottesbeziehung sind wesentliche Erfolgsfaktoren. Wir haben heute ein grosses Versagen der Gesellschaft, ja auch der Kirche, dass den Kindern und Jugendlichen fast nur noch die "Selbstverwirklichung" schmackhaft gemacht, und die Verwirklichung des Willens Gottes schon beinahe als lächerlich präsentiert wird. Auf diesem Weg aber lässt sich nicht verhindern, dass immer mehr Menschen falschen Propheten in die Finger fallen, welche sie alles Mögliche lehren, zum Beispiel eben auch ein homosexuelles Leben.

"Kehrt um zu ihm, Israels Söhne, zu ihm, von dem ihr euch so weit entfernt habt." (Jes 31,6) Diese Mahnung ist heute dringender denn je. Und sie ist keine Drohbotschaft, sondern die frohe Nachricht, dass Umkehr möglich ist, selbst aus Sünde und Schuld.



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