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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die letzte Machtbastion der Kirche?

Wie von der Kirche sprechen?

18. August 2017
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Im Interview vom 11. August in der Aargauer Zeitung antwortete Abt Amselm van der Linde von Bregenz auf die Frage der Reporterin, warum Sex immer noch ein grosses Thema für die Kirche sei: „Weil es die letzte Machtbastion ist, welche die Kirche insbesondere in der westlichen Welt hat. Alle anderen, wie Bildung, Wohlfahrt oder Rechtsprechung hat der Staat übernommen. Die Kirche mit ihren hierarchischen Strukturen ist sehr schwerfällig, wenn sie aber den Menschen die Möglichkeit gibt, so zu leben, wie sie sind, dann fällt dieses letzte Machtinstrument.“

Wenn ein Atheist oder Agnostiker eine solchen Spruch loslässt, würde man sagen: „Wenn natürlich jemand nicht an einen personalen, sich offenbarenden und in der Geschichte handelnden Schöpfergott glaubt, dann hat er einen viel zu engen Horizont um zu verstehen, was die Kirche ist, was sie sagt und warum sie es sagt.“ Wenn aber ein Mitglied des mittleren Kaders der Kirche – um es einmal in einer modernen Sprache auszudrücken – so etwas von sich gibt, dann fragt man sich allen Ernstes, ob hier nicht eine krasse Fehlbesetzung vorliegt. Von ihm sollte man doch so viel Anstand erwarten dürfen, dass er seine eigene Kirche nicht öffentlich, und als kirchlicher Amtsträger erkennbar, schlecht macht. Zudem hat er hat er ja auch ein Treue- und Gehorsamsversprechen vor Gott und den Menschen abgelegt. Loyalität wäre also das mindeste was man von ihm erwarten dürfte. Und dass er nicht das nötige Wissen hat um zu erkennen, dass er mit seinen Aussagen im Gegensatz zur Lehre der Kirche steht, welche zu verkünden ein wesentlicher Bestandteil seines Amtes ist, ist schwer zu glauben.

Selbst als einfacher Laie weiss und glaube ich, dass die „Macht“ der Kirche nicht jene eines Tyrannen ist, sondern die „Macht“ unserer „mater et magistra“, die „Macht“ der Liebe einer Mutter und Lehrerin. Ich weiss und glaube auch, dass die Kirche ihre „Macht“ nicht eigenmächtig oder willkürlich ausübt, sondern Ihre Lehre und ihre Weisungen aus der Offenbarung Gottes an uns Menschen ableitet. Dass das „Bodenpersonal Gottes“ wie wir Menschen alle – die einen mehr die anderen weniger weit – erst auf dem Weg zur Heiligkeit ist, ist mir  natürlich ebenfalls bewusst. Gott ist Liebe. Er liebt uns alle, und auch seine Kirche. Das Problem ist einfach, dass wir alle immer wieder versucht sind, ihn nicht ernst zu nehmen und selber wissen, selber entscheiden wollen, was gut und was böse ist. Das scheint mir in diesem Fall passiert zu sein.



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