Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Mein Herr und mein Gott

  Röm 8,26
 
Unser Gebet

09. März 2021
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So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.

«Wir bitten Dich, o Herr.» So oder ähnlich beginnen oft unsere Gebete. Und dann folgt meist eine ganze Litanei von Wünschen, welche wir Gott vortragen. Hat uns nicht der Herr selbst - z.B. im Gleichnis vom gottlosen Richter und der Witwe (Lk 18,1-8) - aufgetragen, allezeit zu beten und darin nicht nachzulassen? Doch als er auf die Bitte seiner Jünger einging «Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat» (Lk 11,1), da lehre er uns nicht zuerst, welche Wünsche wir Gott vortragen sollten und welche nicht, oder wie, wann und wo wir diese aussprechen sollten, sondern: «Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme.»

Von unserem Landesvater, dem Heiligen Bruder Klaus, ist ein kurzes Gebet überliefert, das seine tiefe Gebetshaltung ausdrückt. Es besteht aus drei Sätzen, die alle beginnen mit «Mein Herr und mein Gott» . Damit ist kurz und prägnant zusammengefasst, was die beiden ersten Bitten des «Vater unser» aussagen. «Messire Dieu, premier servi.» (Gott, dem Herrn, zuerst gedient.) formulierte Jeanne d’Arc die gleiche Gebets- und Geisteshaltung. «Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen» schreibt uns Paulus.

Wenn wir nun unsere Gebete wie Bruder Klaus beginnen mit: «Mein Herr und mein Gott.» oder einer ähnlichen Formel, dann dürfen und sollen wir dies als eine Zusammenfassung der ersten zwei Vaterunser-Bitten sehen. Daran schliesst sich sozusagen automatisch auch die dritte: «Dein Wille geschehe.» In dieser Haltung können wir dann bitten um was wir wollen. Der Geist wird sich unserer Schwachheit annehmen.

Im Vaterunser ist die nächste Bitte dann: «Unser tägliches Brot gibt uns heute.» Wenn wir auch hier auf den Heiligen Geist hören, dann merken wir je länger je mehr, dass es dabei nicht nur um unser materielles Brot geht. Zuerst muss es uns um das «Brot vom Himmel» gehen, um unsere Nahrung auf den Weg zur ewigen Heimat. «Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.» (Mt 6,33) Dann spielt es uns auch keine so wichtige Rolle mehr, ob und wie er unsere anderen Bitten erhört. Der Glaube sagt uns, dass er sie erhört, auch wenn er uns manchmal den Fisch geben muss, den wir nötig haben, anstelle des Skorpions, den wir uns so sehr wünschen, der uns jedoch gefährlich werden könnte.

Unser Glaube lehrt uns auch, dass Gott der absolut Gerechte ist. Er sorgt sich nicht nur um mich. Er schenkt seine Liebe und Fürsorge auch allen anderen Menschen, seiner ganzen Schöpfung. Dein Wille geschehe heisst auch, dass ich lerne, meinen Egozentrismus zurückzubinden, immer zu überlegen, ob meine Wünsche nicht anderen schaden könnten und bereit werde auf mein «Recht» zu verzichten, damit andere nicht, oder doch weniger leiden.

«Mein Herr und mein Gott!» Es liesse sich noch viel dazu sagen. Wenn wir uns bemühen, immer öfter und ganz bewusst so zu beten, wird uns noch manches bewusst werden, das auch dazu gehört. «Rede, Herr, Dein Diener hört.» (vgl 1.Sam 3,9) dürfen wir sicher immer wieder den Heiligen Geist bitten. Das wird uns helfen immer mehr ein gottzentriertes Leben zu führen, und das menschzentrierte oder gar egozentrische abzulegen, welches uns die Welt einreden will.

http://www.stefanfleischer.ch/GEBETE/meinherr.html


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