Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Ihr sagt zu mir Meister und Herr 

Joh 13,12-14

  Ich bin es
 

26. März 2015
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 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.will dem letzten ebenso viel geben wie dir.»


Eigentlich eine sehr bekannte Textstelle, und die Schlussfolgerung, die der Herr selber zieht klar und unmissverständlich. Wäre es aber heute nicht je länger je mehr angebracht, daran zu erinnern, dass die ganze Brisanz dieser Szene verloren ginge, wenn wir darin die Aussage überlesen würden: „Ihr nennt mich zu Recht Meister und Herr, denn ich bin es.“ Erst zwei Kapitel später (Joh 15,15) sagt dann der Herr: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut.“

In meiner beruflichen Karriere hatte ich einmal einen Direktor, der war zu mir und eigentlich zur ganzen Belegschaft wie ein väterlicher Freund. Er war es, der mir zu einem Eigenheim für unsere Familie verholfen hat. Mit ihm konnte man offen über alles reden, auch eine andere Meinung haben. Er war auch sehr auf ein gutes Betriebsklima bedacht. Aber eines ertrug er nicht, wenn jemand die für einen reibungslosen Betrieb nötige Distanz zwischen Vorgesetzten und Untergebenen vergass, und dies auf allen Stufen. Er selbst hatte, wie er mir einmal sagte, sehr schlechte Erfahrungen mit einem Chef gemacht, der glaubte nicht führen zu müssen, endlose Diskussionen zulassen und auf getroffene Entscheide immer wieder zurück kommen zu müssen, wenn irgendein Besserwisser zu meckern begann.

Unsere Freundschaft mit Gott ist - oder sollte es zumindest - genauso eine Freundschaft zwischen dem Herrn und Meister und seinem Diener sein. Wir sind auf Erden um Gott zu dienen“ sagte der Katechismus meiner Jugend. Christus der Herr sagt dazu, dass wir dabei nicht einfach Knechte sind. Er will uns als Freunde, aber Freunde, die es auch ernst, sehr ernst nehmen, wenn er sagt: „Ihr nennt mich mit Recht Meister und Herr. Ich bin es.“ Er weiss ganz genau, alles andere führt nur ins Chaos. Und er weiss auch, dass es gerade dieser Rangunterschied ist, der seine Freundschaft so wertvoll für uns macht.

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