9


Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Wozu ist Christus Mensch geworden?


Lasst euch mit Gott versöhnen
 
14. April 2021

Aphorismen
Gedanken-
splitter

Gedanken-
splitter Archiv

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten






Es gibt ein bekanntes Zitat von Angelus Silesius: «Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren.» Ich glaube, man könne sogar noch weiter gehen und sagen: «Und wäre Christus tausendmal gekreuzigt worden, aber nicht für unsere Sünden: wir wären nie erlöst worden."

In seiner Allmacht hätte Gott problemlos andere Wege finden können um «in uns geboren zu werden» - um die Sprechweise von Angelus Silesius zu verwenden. Aber eines hätte er nicht können, nämlich für uns zu sterben. Dazu musste er selbst in seinem Sohn ein Mensch werden. Weshalb es des Kreuzesopfers unseren Herrn bedurfte, um die durch die Erbsünde abgebrochene Kindesbeziehung von Mensch zu Gott wieder herzustellen, darüber können wir nur spekulieren. Das gehört zu jenen Wahrheiten, welche wir im Glauben annehmen müssen. Wichtig für uns aber ist, dass tatsächlich Gott für uns Mensch geworden und am Kreuz gestorben ist, um «sein Volk – also auch mich - aus seinen Sünden zu erlösen» (vgl. Ps 130,8 / Mt 1,21) und uns so den Zugang zu unserer ewigen Heimat bei ihm wieder zu eröffnen.

Wenn wir uns dessen bewusst werden, dann werden wir auch diese Erlösertat dankbar anerkennen. Dann wird es uns auch nicht einfallen, Gottes Barmherzigkeit als eine Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Wir werden vielmehr immer bedenken, dass diese keine Bringschuld Gottes ist, auch wenn er sie uns immer bereit hält, sondern eine Holschuld von uns Menschen. Dann werden wir auch merken, dass mit dem grossen Geschenk der Freiheit, welche Gott uns gemacht hat und nie zurück nimmt, auch eine grosse Verantwortung ihm gegenüber verbunden ist. Das ist es, was unter «mündige Kinder des Himmlischen Vaters» zu verstehen ist. Daraus fliesst jene uneigennützige und vor Gott verantwortete Geschwisterlichkeit unter uns Menschen, um die wir uns bemühen müssen, und aus welcher dann eine bessere Welt aufzublühen beginnt, und zwar um so mehr, als alle Menschen die Mahnung des Völkerapostels beherzigen: «Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!» (2.Kor 5,20)






********


Home
weitere Texte
Archiv
nach oben