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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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« Messire Dieu, premier servi »

Mein Herr und mein Gott

06. November 2016

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Es dürfte schwierig sein, diese Maxime der Heiligen Jeanne d’Arc vernünftig zu übersetzen. Dieu heisst Gott. Premier heisst erster, hier wohl im Sinn von „als erster“. Servi bedeutet bedient. Und Messire? Sire war damals die Anrede für den (französischen) König. Der Ursprung des Wortes beruht auf einer Abkürzung von Monseigneur (zu Deutsch: Mein Herr). Messire dürfte auf den gleichen Ursprung zurück zu führen sein. So würde dieser Wahlspruch in etwa lauten: „Gott, der Herr, will immer zuerst bedient sein.“

In unserer heutigen Zeit ist viel von dienen die Rede. Aber ein Diener sein, das will keiner mehr. Selbst dort, wo wir dem Nächsten zu dienen behaupten, bleiben wir zumindest mental der Herr. Wir dienen, aber zuerst unserer eigenen Selbstverwirklichung. Wir dienen, nicht dem Nächsten, sondern wir bedienen uns seiner um selber gross dazustehen. Und wo wir davon sprechen, Gott in unseren Nächsten zu dienen, laufen wir oft Gefahr, dass dabei nicht Gott im Zentrum steht, dass es uns dabei nicht um ihn geht, dass nicht „sein Wille geschehe“, sondern unser Wille.

„Mein Herr und mein Gott“ betete unser Landesvater Bruder Klaus oft. Wenn wir unsere Kirche aus ihrer heutigen Krise führen wollen, oder besser gesagt, wenn wir wollen, dass Gott sie aus ihrer Krise heraus führen kann, dann kommen wir nicht darum herum, genau diese Einstellung Gott gegenüber wieder bewusst zu pflegen und dann auch andere anzuleiten, ebenfalls aus dieser Haltung heraus zu leben und zu handeln. Wenn wir wirklich Gott dienen, wird all unser Reden und Handeln auch zu einem Dienst an unseren Nächsten, dann bauen wir am Reich Gottes, schon hier und jetzt. Wenn wir aber an Gott vorbei unserem Nächsten dienen, bauen wir im Grunde genommen an einem Reich des Menschen, wenn nicht gar nur an unserem eigenen.

„Mein Herr und mein Gott“ wird auch, so glaube ich, unsere Haltung einst in der ewigen Heimat sein. Ich auf alle Fälle kann mir keinen Himmel vorstellen, wo jeder sein eigener Herr und Meister sein will. Die Folgen einer solchen Haltung erleben wir hier und jetzt doch tagtäglich. Lernen wir also wieder zu dienen, Gott zuerst und so auch unseren Nächsten. Das allein schafft Zufriedenheit und damit Freude, jetzt und in Ewigkeit.


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