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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wenn wir nicht mit dem Kreuz Christi

Verkündigung gestern und heute
04. August 2018
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Es war eine interessante Predigt als Einstieg in meine Ferien. Sie zeigte sehr schön jenen Paradigmenwechsel, der heute immer wieder angesprochen, aber selten wirklich ausdiskutiert wird.

Im Zentrum unserer Verkündigung steht heute das, was wir tun sollten und könnten, um jenem Reich Gottes hier und jetzt zum Durchbruch zu verhelfen, das zu verkünden dieser Jesus in diese Welt gekommen sei, und welches er auch uns zu verkündet beauftragt habe. Selbstverständlich spielt der Glaube dabei eine Rolle. Dieser ist es, welcher unserer Verkündigung die nötige Autorität verleiht. Aber was wir konkret glauben und was nicht (mehr), scheint nicht mehr ganz so wichtig.

Im Zentrum steht der Mensch. Dass er Gottes Ebenbild ist, verleiht ihm das nötige Gewicht. Aber was, beziehungsweise wer konkret dieser Gott ist, darüber sollen sich die Theologen streiten. Eine heile Welt hier und jetzt könnten wir auch ohne ihn schaffen, wenn nur alle Menschen guten Willens wären. Da dem nicht so ist, müssen wir eben um diesen Gott herum Zentren aufbauen, welche dann in den Rest der Welt ausstrahlen. Die Bibel sprich hier vom Sauerteig für die Welt.

Die Verkündigung meiner Jugendzeit aber kannte noch den Begriff der heiligmachenden Gnade. Von einem heiligmachenden Tun zu sprechen wäre niemandem in den Sinn gekommen. Diese heiligmachende Gnade war reines Geschenk Gottes. Aus ihr flossen die drei göttlichen Tugenden, Glaube, Hoffnung und Liebe. Diese wiederum waren dann Ursprung und Motivation unseres Lebens, unseres Tuns und Lassens als Jünger des Herrn.

Unser Verhältnis zu Gott, unsere Beziehung zu ihm und zu unseren Nächsten, war gemäss dieser heute veralteten(?) Lehre, gestört durch die Erbschuld und der daraus entstandenen Neigung zum Bösen. So wurde der Mensch erlösungsbedürftig. Deshalb sandte Gott seinen Sohn, um sein Volks aus seinen Sünden zu erlösen. Deshalb sagte unser Heiliger Vater in seiner ersten Predigt sehr richtig (auch wenn er dies in seiner Verkündigung heute meines Erachtens oft zu vergessen scheint): "Wenn wir nicht mit dem Kreuz Christi zu den Menschen kommen, sind wir keine Jünger des Herrn."

Um aber mit dem Kreuz Christi zu den Menschen zu kommen, müssen wir zuerst selber an unsere Erlösung durch Leiden und Tod Christi glauben. Dann wird diese Erlösung zu jenem Grund unserer Hoffnung, welchen wir uns nicht zu scheuen brauchen, allen Menschen zu verkünden, welche uns danach fragen. Dann werden wir selber und alle anderen auch wieder jene unergründliche Liebe unseres Gottes erahnen, in welcher der Vater "den Sohn dahingab um den Knecht zu erlösen". Dann werden wir alle wieder schneller bereit, uns mit Gott versöhnen zu lassen durch Christi Blut am Kreuz.

Dieser Haltung erschliesst uns dann auch den tiefen Sinn des zweiten Teils des Gottesdienstes, der eigentlichen Eucharistiefeier. Ohne sie besteht die Gefahr, dass die Gläubigen – wie bei den Protestanten – einfach zu Predigt kommen, und auf den restlichen "Hokuspokus" .gerne verzichten könnten, wenn er nicht einfach irgendwie dazu gehörte, wenn er uns nicht durch seine wohl ausgewogene Form, seine ganze Symbolik und die Musik etc. auch gefühlsmässig immer wieder ansprechen würde.


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