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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Mit dem Kreuz gehen

Jünger des Herrn sein
 

16. Oktober 2020

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«Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir ohne das Kreuz aufbauen und Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.»

Wer erinnert sich noch an diese Aussage unseres Heiligen Vaters in seiner Predigt in der Eucharistiefeier mit den Kardinälen vom Donnerstag 14. März 2013 in der Sixtinische Kapelle? Mir kam sie wieder einmal in den Sinn, als ich mich fragte, ob ich nicht das einfache Kreuzlein an meinem Halskettchen durch das Kreuzlein meines Benediktusrosenkanzes ersetzen sollte, welcher seinen Dienst aufgegeben hatte. Darin ist die Benediktusmedaille integriert, sodass ich diese nun weglassen könnte.

Dabei drängte sich dann sofort die Frage auf, was das denn heisst, mit dem Kreuz zu gehen. So ein Kreuzlein um den Hals genügt da wohl nicht. Mehr als mich immer wieder daran erinnern, dass wir mit Christus, dem Gekreuzigten, auf unserem Lebensweg unterwegs sind, kann ein solches kaum. Aber sich daran erinnern lassen, schon das wäre sicher wichtig, besonders heute, wo diesem Kreuz (und damit dem Gedanken an unsere Erlösung) selbst in der Kirche so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Mit dem Kreuz aufbauen. Ja, viele bemühen sich sehr und ernsthaft, eine bessere Welt aufzubauen. Und viele haben über all die Jahrhunderte, besonders die letzten, alles für dieses Ziel gegeben. Dass dabei nur so wenig erreicht wurde, ja, dass daraus oft auch sehr viel Leid entstanden ist und noch entsteht, kann wohl niemand abstreiten, der mit offenen Augen durch diese Welt geht. Liegt es vielleicht daran, dass versucht wurde, und immer noch wird, ohne das Kreuz eine heile Welt zu schaffen? Liegt vielleicht daran, dass heute so vieles in der Schrift - bewusst oder unbewusst – einfach überlesen wird, so zum Beispiel auch 2.Kor 5,20: «Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!»

Christus ohne das Kreuz bekennen. Von Christus sprechen wir eigentlich noch oft. Von Jesus noch viel öfters. Aber der Bezug zu seinem Kreuz, dem «er sich aus freiem Willen unterwarf» wie es in einem Hochgebet heisst, der fehlt doch meist. Die Frage aber ist und bleibt; wozu Gott in seinem Sohn Mensch geworden ist, gelitten hat und auferstanden ist. Die Schrift sagt es zwar deutliche: «um sein Volk aus seinen Sünden zu erlösen». (Ps 130,8 / Mt 1,21). Aber wo ist in unserer Kirche der Glaube und die Verkündigungsbereitschaft des Völkerapostels geblieben: «Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit»? (1.Kor 1,23-24)

Wenn wir uns das so überlegen, dann geht natürlich die Frage zuerst an uns selbst. Wie weit sind wir auch in diesem Sinn wahrhaft Jünger des Herrn? Sind wir nicht oft einfach nur Christen, Katholiken, Laien, Kleriker und vieles andere mehr sind, aber nicht mehr Jünger des gekreuzigten Herrn? Und wenn wir dann noch das Wort des Herrn dazunehmen: «Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.» (Lk 9,23), dann muss es auch für uns selbst heissen: «Es gibt noch viel zu tun – packen wir es an!»

Links zur Predigt:  https://bit.ly/3dtfBDI

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