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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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An die Ränder gehen

mit was?
21. Februar 2018
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« Papa Francesco habillé comme simple prêtre, est sorti en cachette pendant la nuit pour visiter et réconforter les sans-abri de Rome en aidant les équipes d'aide du Saint-siège dans la distribution de nourriture, vêtements et fonds de soutien. Que Dieu bénisse ce Francisco »

Die Meldung machte auf Twitter die Runde. Unser Heiliger Vater, gekleidet wir ein einfacher Priester, ging in der Nacht hinaus um die Obdachlosen von Rom zu besuchen und zu stärken, indem der den Hilfsequipen des Heiligen Stuhles bei der Verteilung von Nahrung, Kleidern, und Hilfsmitteln half.

Ob das beigefügte Bild bei dieser Aktion aufgenommen wurde kann bezweifelt werden. Es zeigt ihn bei Tageslicht. Aber darum geht es hier nicht, auch wenn dadurch jemand auf die Idee kommen könnte, dies sei eine Fake News. Die mit dieser Meldung vermittelte Botschaft ist klar; unser Heiliger Vater geht an die Ränder. Dass es das tut, das wissen wir schon lange. Das ist ja die Aufgabe jeden Christen. Die Frage, welche sich mir bei dieser Meldung und diesem Bild stellt, ist einfach; mit was gehen wir an die Ränder?

Der Meldung zufolge ging es bei dieser Aktion um die materielle Hilfe an die Ärmsten der Stadt. Vermutlich ging es auch darum, die Mitarbeiter dieser Hilfswerke moralisch zu unterstützen, ihnen zu danken und ihren Dienst in der Öffentlichkeit zu loben. Ein kleines Wort in der Meldung aber sollte nicht überlesen werde. Es ging auch darum diese Randständigen zu stärken. Wenn dies einfach die körperliche und/oder psychische Stärkung meinen würde, müsste das nicht besonders erwähnt zu werden. Das ist Zweck und Aufgabe aller Hilfswerke und aller, welche diese aktiv, finanziell oder anderswie unterstützen. Es ging unserem Heiligen Vater sicher auch um jene Stärkung, welche der Glaube uns in jeder, auch der schwierigsten Lebenslage zu schenken vermag. Es ging ihm also auch darum, jenen Frieden zu bringen, den die Welt nicht geben kann. (vgl Joh 14,27) Er wird dabei sicher an sein eigenes Wort gedacht haben: „Wenn wir ohne das Kreuz voranschreiten, aufbauen und bekennen, dann sind wir keine Jünger des Herrn",

Wenn wir nun selber, seinem Beispiel folgend, uns in dieser Fastenzeit bemühen an die Ränder zu gehen, so dürfen wir nie vergessen, dass auch noch so mit materiellen Gütern gefüllte Hände noch lange nicht das zu bringen vermögen, was wir Christen eigentlich zu bringen in der Lage wären einerseits, und andererseits, dass es auch noch andere Ränder gibt als jene der materiell Armen und Ausgestossenen, welche der Stärkung durch den Glauben und den dadurch geschenkten Mut zur Umkehr genauso bedürfen, wie übrigens auch jeder Einzelne von uns. „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ nennt der Völkerapostel das Kreuz. Wenn wir nicht mit ihm an die Ränder gehen ist all unsere Hilfe kraftlos, das Aufflackern eines Streichholzes, das kein Feuer anzufachen vermag. Gerade diese Fastenzeit möge uns helfen unseren Blick wieder mehr, viel mehr, auf das Kreuz zu richten und aus diesem Blickwinkel heraus zu handeln.


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