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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die neue Kirche  -  Der neue Gott

Zum zweiten
 

28. Juli 2020

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Beim Basteln der Geburtstagskarte für mein Enkelkind kam mir jenes Lied in den Sinn, welches wir früher gerne gesungen hatten «Wer nur den lieben Gott lässt walten» und davon die siebte Strophe:

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu;
denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt,
den verlässt er nicht.

Der Text stand schon auf der Karte, als ich mir plötzlich bewusst wurde, dass ein zehnjähriges Kind von heute damit wohl massiv überfordert sein könnte, und vielleicht sogar seine Eltern. Auf alle Fälle, in der Verkündigung von heute kommt so etwas kaum noch vor, in der modernen Religionspädagogik schon gar nicht. Und das nicht erst seit heute. Wenn ich zurück denke an meine Jugend, so begann sich schon damals ein neues Gottesbild einzuschleichen. Der «liebe Gott» wurde immer mehr verdrängt durch einen Gott, der (nur) Liebe ist, der «Herrgott» langsam aber sicher zum (reinen) Gott mit uns degradiert. Das erlaubte dann je länger je mehr an einen Gott zu glauben, welcher uns sehr nützlich sein kann, wenn wir das wollen, welchen wir aber nicht mehr wirklich ernst zu nehmen brauchen. Dass man ihm so aber auch nicht mehr wirklich vertrauen kann, das ist zwar noch nicht alle Gläubigen bewusst. Aber eine Mehrheit lebt und handelt aus einem solchen Gottesverständnis heraus.

Manchmal frage ich mich, was ich mit einer solchen Christenheit anfangen würde, wenn ich Gott wäre. Zum Glück bin ich es nicht. Ich müsste wohl als erstes mich selbst an den Ohren nehmen. Denn ehrlicherweise muss ich zugeben, dass auch ich schon ziemlich von diesem Virus angesteckt bin. Ob die ganze Kirchenkrise jene Impfung ist, welche wir brauchen, welche Gott uns schenkt? Ich weiss es nicht. Wenn wir aber wieder zur Haltung unserer Vorfahren zurückfinden würden, wie sie so schön in dieser Liedstrophe ausgedrückt ist, könnte sich rasch sehr viel zum Besseren wenden.


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