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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Konzilskirche

unsere «neue Kirche»?
 
19. Februar 2020
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Im Internet wird die Aussage eines deutschen, in Lateinamerika wirkenden Bischofs wiedergegeben mit:

«In der „Kirche der Kulturkampf-Zeit“ schotte sich „ein vermeintlicher heiliger Rest“ „mit hohen Mauern gegen die böse Welt und ihren ‚Zeitgeist‘ ab. Dagegen steht die Konzilskirche, die Brücken baut zu dieser Welt, nicht um sie wieder beherrschen zu wollen sondern um in ihr ‚Samenkörner‘ des Lichtes zu entdecken und die frohe Botschaft von Jesus Christus im Dialog zur Sprache zu bringen.“»

Ich bin in dieser «Kirche der Kulturkampf-Zeit» gross geworden. Aber weder damals noch heute habe ich bisher etwas davon gespürt, dass diese sich gegen den Zeitgeist abgeschottet hätte. Im Gegenteil. Sie stellte und stellt sich ihm immer mehr oder weniger erfolgreich entgegen im Bewusstsein: «Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.» (Röm 12,2) Sicher, in letzter Zeit begegnet uns immer öfter ein Liebäugeln mit diesem Zeitgeist. Dass aber das der «Geist des Konzils» sein soll, das habe ich in keinem der Konzilstexte auch nur andeutungsweise gefunden.

Der Vorwurf, dass diese Kirche die Welt hätte beherrschen wollen ist genauso unverständlich. Natürlich gab und gibt es immer Menschen und Gruppen, die solches versuchen. Doch auf die Lehre der Kirche können solche sich nicht berufen. Im Gegenteil. Besonders aus der Verkündigung meiner Jugendzeit ist mir das Wort des Herrn sozusagen als Markenzeichen des Christentums eingeprägt geblieben. «Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.» (Mk 9,35) Das ist zwar ein hohes Ideal. Aber im Allgemeinen, pro Saldo um einen buchhalterischen Ausdruck zu benützen, habe ich in unserer Kirche und bei meisten ihrer Diener ein ehrliches Bemühen gespürt, diesem Anspruch gerecht zu werden, heute zwar eher etwas weniger als früher.

Auf der anderen Seite ist dieser Vorwurf natürlich bis zu einem gewissen Grad verständlich. Für die Erfüllung des Auftrags unseres Herrn: «Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.» (Mt 28,19-20) genügt es nicht, den Menschen lieb und unverbindlich zu sagen: «Seid nett zueinander». Einerseits bringt das normalerweise sehr wenig bis gar nichts. Und andererseits steht da auch ganz klar im Raum: «Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es». (Joh 13,13) Wir sind also Diener, Diener des Herrn. In seinem Auftrag dienen wir den Menschen, manchmal eben nicht ganz so wie es die Menschen wollen, sondern wie Gott es will. (vgl. Mt 16,23 / Mk 8,33) Und das tun wir «nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird». (1.Kor 1,17) Hat nicht unser Heiliger Vater uns unmissverständlich gesagt: «Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.»

Wenn dieser Bischof nun davon spricht, dass wir Brücken zu dieser Welt bauen sollen, «um in ihr ‚Samenkörner‘ des Lichtes zu entdecken und die frohe Botschaft von Jesus Christus im Dialog zur Sprache zu bringen» so fragt sich schon, wie das mit dem klaren Auftrag des Herrn an seine Jünger vereinbar ist. Auf alle Fälle hat Paulus das ganz anders verstanden, wenn er uns mahnt: «Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung» (2.Tim 4,2) Zudem scheint mir diese Aussage doch eher der Lehre der «Kirche des moralistisch-therapeutischen Deismus» zu entsprechen, jener modernen Pseudoreligion, welche aus den Staaten immer mehr auch zu uns hinüber schwappt. Wenn aber das jene «neue Kirche» sein soll, von welcher zum Beispiel auch im synodalen Weg die Rede ist, dann dürfte eine neue Kirchenspaltung kaum noch zu verhindern sein.


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