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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Man kann von Gott nichts wissen

Oder doch?
 

12. September 2016

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Jahrelang gehört ich zu den Pendlern, welche morgens mit dem Zug zur Arbeit fuhren und abends wieder zurück. Schnell einmal hatte ich dann „mein“ Abteil. Und anderen Mitreisenden ging es genauso. So kam es, dass man Gesichter kannte, manchmal sogar aus Gesprächsfetzen das eine oder andere Detail aus ihrem Leben erfuhr. Hin und wieder erkannte man dann jemanden auf der Strasse wieder - und ging an ihm vorbei. Hätte aber irgendjemand einmal zu mir von Herrn X oder Frau Y gesprochen, ich hätte sagen müssen: „Kenne ich nicht.“ In den wenigsten Fällen kam es je zu einem Gespräch. Dafür war ich am Morgen noch zu wenig wach und abends zu müde. Nur an einen Fall erinnere mich, wo daraus eine Bekanntschaft wurde, und das nur, weil ein Freund von mir diese Person kannte.

Zeit seines Lebens ist der Mensch in dieser Welt unterwegs. Mit ihm im gleichen Zug, - wenn man das einmal so sagen darf - ist auch Gott. Wir sehen ihn immer wieder, ohne zu wissen, dass er es ist. Wir hören von ihm, interessieren uns aber nicht. Manchmal kommt er uns irgendwo entgegen. Wir wissen, dass wir ihn schon einmal gesehen haben, aber gehen vorüber. Doch dann kann es vorkommen, dass ein Freund oder Bekannter uns von ihm erzählt, dass er mit ihm zu uns kommt, ihn uns vorstellt. Daraus kann dann eine Beziehung entstehen, sodass das nächste Mal, wenn jemand von Gott spricht, ich sagen kann: „Ja, den kenne ich.“

Wir können von unseren Mitmenschen nichts wissen, solange wir uns nicht für sie interessieren. Wir können auch von Gott nichts wissen, solange wir uns nicht für ihn interessieren. Wir lernen unsere Mitmenschen kennen, indem wir mit ihnen in Kontakt treten, sie ansprechen oder uns von ihnen ansprechen lassen. Wir lernen auch Gott nur kennen, wenn wir mit ihm in Kontakt treten, wenn wir ihn ansprechen oder uns von ihm ansprechen lassen. Und sehr hilfreich ist es immer, wenn irgendjemand uns eine Person vorstellt, wenn irgendjemand uns Gott vorstellt, und wir uns dann zu interessieren beginnen. Doch auch dann bleibt uns die persönliche Beziehung zu diesem Menschen, beziehungsweise zu Gott nicht erspart. Nur so können wir wirklich etwas über ihn erfahren, über ihn wissen. Und nur so bleiben solche Erfahrungen, ein solches Wissen, nicht oberflächlich und fragmentarisch. Nur so kann diese Wissen für uns beglückend, erfüllend werden.



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