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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Non serviam

Ich werde nicht dienen
19. Februar 2018

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Zu den ersten Brocken Latein in meinem Leben - neben den Antworten, welche wir als Ministranten zu geben hatten, und neben dem, was wir aus der Liturgie aufgeschnappt hatten - gehörte diese Aussage, die Luzifer, dem gefallenen Engel zugeschrieben wird: „non serviam - ich werde nicht dienen!“ Damit erklärte uns damals unserer Religionslehrer den definitiven Bruch zwischen Gott und seinem Geschöpf Luzifer, dem „Lichtträger“, zu dem Gott ihn bestimmt hatte. Es war die bewusste willentliche und endgültige Verweigerung des Gehorsams. Es war jenes sein wollen wie Gott, jenes selber wissen, selber entscheiden zu wollen, was richtig und was falsch, was gut und was böse ist, zu welchem er später den ersten Menschen verführte. Satan war sich als reiner Geist der letzten Konsequenz dieses Entscheides bewusst, der Mensch nur bedingt. Für Satan gibt es deshalb keine Umkehr. Für den Menschen hat Christus der Herr durch seinen Gehorsam am Kreuz und seine Auferstehung die Rückkehr zu Gott, zum vertrauensvollen Gehorsam ihm gegenüber, wieder erschlossen.

Die Aufforderung Christi „kehrt um“ bedeutet also immer zuerst die Rückkehr zum Gehorsam Gott gegenüber. Blinder Gehorsam nennen das die Atheisten und Agnostiker. Allen aber, welche an Gott glauben, welche Gott und seiner Selbstoffenbarung glauben, steht dieser Gehorsam im klaren Licht dieses Glaubens. Ob vielleicht Luzifer im Plan Gottes zum Träger dieses Glaubenslichtes für uns Menschen hätte werden sollen? Wir können nur spekulieren. Dass aber das Licht des Glaubens entscheidend für unser Leben ist, scheint mir klar. Nur dieses stellt uns Gott in seiner ganzen, allumfassenden, allwissenden und allmächtigen Grösse dar. Und nur aus diesem Gottesverständnis heraus wird der Gehorsam ihm gegenüber selbstverständlich und deshalb auch leicht. Dass wir in unserer menschlichen Begrenztheit immer wieder versucht sind unseren eigenen Willen ins Zentrum zu stellen, dass wir deswegen oft versagen und ein mehr oder weniger bewusstes „non serviam“ sprechen, gehört zu den Folgen des Ungehorsams des ersten Menschen.

Zum Licht des Glaubens aber gehört auch der Glaube an die Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Dieser sagt uns dann, dass Gott immer wieder Gnade vor Recht walten lässt, solange nicht wir uns seiner Wahrheit verweigern, solange wir immer wieder umkehren zu ihm und ihm in Demut und Vertrauen sagen: „Vater, ich habe gesündigt.“ „Mach mich zu einem deiner Tagelöhner“ fügte der verlorene Sohn hinzu. Ich glaube, wir können das für uns übersetzten: „Lehre mich den Gehorsam, damit du mich wieder als dein Kind in dein Reich aufnehmen kannst.“


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