Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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An keiner Not ging er vorüber 

Drittes Hochgebet

Die Not der Sünde

08. Juli 2014

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Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater, für Jesus, deinen Sohn, unseren Herrn und Bruder. Seine Liebe galt den Armen und Kranken, den Ausgestoßenen und Sündern. An keiner Not ging er vorüber. Sein Leben und seine Botschaft lehren uns, dass du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt, wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt. Darum loben und preisen wir dich, wir rühmen deine Güte und Treue und verkünden mit allen Engeln und Heiligen das Lob deiner Herrlichkeit.

Dieses dritte Hochgebet wird nach meinen Beobachtungen recht gerne gebraucht. Es ist auch wirklich ein sehr schöner, tiefer Text, den die Kirche uns hier vorlegt. Aber manchmal frage ich mich doch, ob der Zelebrant sich bewusst ist, was er sagt: „An keiner Not ging er vorüber.“ Sehr oft nämlich wird dieses Hochgebet eingesetzt, wenn es in der Homilie um Friede und Gerechtigkeit geht oder wenn das Opfer für einen wohltätigen Zweck aufgenommen wird. Auch wenn ganz allgemein die Liebe zum Nächsten im Vordergrund steht findet es gerne Verwendung. Aber wird dann nicht meist jene Not ausgeklammert, die im Text zwar vorkommt, aber nur mit einem Wort, bei dem man dann zudem erst einmal an die Not jener „Sünder“ denkt, die von den „Gerechten“ aus der Gemeinschaft ausgegrenzt werden?

Die wahre Not der Sündern aber, die Not von uns allen, ist, dass wir immer wieder unter einer gestörten, wenn nicht gar zerstörten Beziehung zu Gott unserem Vater leiden, manchmal bewusst, sehr oft ohne dass wir uns überhaupt noch Rechenschaft darüber ablegen. Diese Not betäuben wir gerne mit all dem, was wir Gutes tun oder tun sollten. Dabei ist doch Christus zuerst einmal dazu Mensch geworden, „um sein Volk aus seinen Sünden zu erlösen.“ (Ps 130,8 / Mt 1,21) Die Not der Sünde ist es, die ihn ans Kreuz geführt hat. Aus der Knechtschaft der Sünde hat er uns befreit. Sein ganzes Leben, seine ganze Verkündigung standen in diesem Auftrag. Seine Auferstehung zerbrach diese Ketten und erschloss uns jenes ewige Heil neu, das wir durch den Ungehorsam verloren hatten.

Gott wäre nicht ein liebender Vater, wenn ihm nicht die Not der Sünde, der Trennung vom ihm, am meisten am Herzen liegen würde. All seine anderen guten Gaben wären sinnlos, wenn er nicht zuerst alles daran setzen würde, uns zu ihm zurück zu führen. Christus wäre nicht an keiner Not vorbei gegangen, wenn er sich nur unsere weltliche Not angenommen hätte. Deshalb sollte unser Lob und Dank immer zuerst unserer Erlösung gelten, jene Erlösung, deren wir als Sünder hier auf Erden immer und immer wieder bedürfen, und die uns Gott, durch die Verdienste Christi, auch immer und immer wieder schenkt, wenn wir sie dankbar annehmen.


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