9


Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Vom Nutzen der eucharistischen Nüchternheit

Vorschriften, Formen und Formeln

10. Juli 2016

Aphorismen
Gedanken-
splitter

Gedanken-
splitter Archiv

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten

Spruch der
Woche





„Eucharistische Nüchternheit ist doch lange nicht mehr geboten...“ so schrieb jemand allen Ernstes in einem Blog, und niemand reagierte. Im KKK 1387 aber steht immer noch der Verweis auf CIC Can. 919 — § 1 (zu finden auf der vatikanischen Homepage): „Wer die heiligste Eucharistie empfangen will, hat sich innerhalb eines Zeitraumes von wenigstens einer Stunde vor der heiligen Kommunion aller Speisen und Getränke mit alleiniger Ausnahme von Wasser und Arznei zu enthalten."

Natürlich könnte es ja sein, dass diese Bestimmung inzwischen aufgehoben wurde. Ich habe zwar nichts davon gehört, und wenn es um Erleichterungen geht, hat unsere Verkündigung normalerweise keine Scheu, diese auch bekannt zu machen. Aber selbst wenn. Ich werde mich jedenfalls weiterhin zumindest an dieses Minimum halten.

Nicht dass ich an einen Gott glaube, der mit der Stoppuhr und dem Bussenzettel hinter mir steht, oder einen Gott, der auf Vorschriften, Formen und Formeln angewiesen wäre. Er hat solches nicht nötig. Aber wir, ich brauche das alles um mir immer wieder bewusst zu werden, dass Gott immer zuerst einmal Gott ist und ich ein Mensch, sein Geschöpf, dass ich von ihm abhänge und nicht er von mir, dass im konkreten Fall die Heilige Eucharistie sein Geschenk an mich ist, und nicht ein Rechtsanspruch von mir.

Wenn ich mich so bemühe, diese Vorschrift der eucharistischen Nüchternheit bewusst einzuhalten, dann werde ich mir auch immer mehr bewusst, dass es wichtig ist, sich auf die Heilige Kommunion vorzubereiten, nicht nur physisch (KKK 1387 erinnert z.B. auch an eine diesem Sakrament angemessene Kleidung und Haltung) sondern nicht zuletzt auch geistig. Dann werde ich immer wieder einmal den Weg zur Kirche (wo ich dann auch nicht erst im letzten Augenblick erscheine), dazu nutzen, mich auf die kommende, ganz reale und persönliche Begegnung mit Christus, dem Herrn, einzustimmen. Dann wird diese Vorschrift, selbst wenn sie mir vielleicht manchmal auch lästig ist, jedes Mal Anstoss zu einem neuen ersten Schritt in meiner persönlichen Gottesbeziehung. Dann werde ich immer mehr merken, wie Gott mir immer und überall und gerade in solchen Augenblicken begegnet und mich fragt: „Hast Du mich immer noch gern?“



********


Home
weitere Texte
Archiv
nach oben