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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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„Ich glaube an ein Leben ohne Armut“?

Was sagt die Schrift?
03. April 2018
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„Ich glaube an ein Leben ohne Armut“ so titelte unsere Zeitung ein Interview mit der scheidenden Leiterin einer Caritasstelle irgendwo in der Schweiz. Ob diese Dame christlich ist oder nicht, das habe ich beim schnellen Lesen nicht feststellen können. Auf alle Fälle scheint sie das Wort unseres Herrn nicht zu kennen: „Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch. (Joh 12,8 / Mk 14,7)

Schon viele sind ausgezogen um die Armut und das Leid aus unserer Welt zu schaffen. Vieles hat sich durch ihren Einsatz auch verändert. Aber wirklich verbessert? Wenn dem so wäre, so müsste doch diese Welt ganz anders aussehen. Viele Christen behaupten heute – direkt oder indirekt – auch Christus des Herr sei Mensch geworden, um Armut und Leid aus dieser Welt zu schaffen, oder zumindest uns Menschen Wege zu zeigen, auf denen wir dies selber schaffen könnten. Zweitausend Jahre Christentum haben wir nun schon. Und wo stehen wir? Ist nicht alles eher schlechter als früher, zumindest wenn wir jenen glauben wollen, die ihren Einsatz für eine bessere Welt lauthals hinaus posaunen?

Interessant scheint mir der letzte Satzteil bei Johannes wie bei Markus: „mich aber habt ihr nicht immer bei euch“. Heisst das nicht, dass wahrer Reichtum dort ist, wo Christus der Herr wahrhaft bei uns ist, wahre Armut also dort, wo er uns fehlt? Wenn wir dann noch die Aussage des Engels dazu nehmen: „denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“, heisst das dann nicht, dass die Sünder die wahren Armen dieser Welt sind, und die „Gerechten“ (um den biblischen Ausdruck für jene Menschen zu verwenden, welche sich bemühen, sich an Gott und seine Gebote zu halten), die Reichen? Und wenn uns dies einigermassen klar wird, liegt die frohmachende Botschaft unseres Herrn im tiefsten nicht darin, dass wir unser Glück in jeder Lebenslage im Willen Gottes suchen und  finden? War nicht das der Weg, den Christus auf dieser Welt gegangen ist? Können wir uns seine Jünger nennen, wenn nicht auch wir uns bemühen, diesen Weg zu gehen und zu verkünden? Dann dürfen wir nämlich auch auf das andere Wort der Herrn vertrauen: „Alles andere wird euch hinzugegeben.“ Mt 6,33)




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