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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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"Laudato si" (3)

Bitte ohne Brille lesen

2. Juli 2015

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Wer die neue Enzyklika unseres Heiligen Vaters durch die grüne Brille liest, wird sie niemals richtig verstehen, und falsche, wenn nicht gar gefährliche Schlüsse daraus ziehen. Wer sich dazu die wirtschaftliche Brille aufsetzt, wird genau so wenig verstehen, und riskiert, dabei rot zu sehen. Jede anthropozentrische Sicht – die bekanntermassen immer Gefahr läuft eine egozentrische zu werden – wird diesem Text nicht gerecht.

Gefordert ist eine ganzheitliche Sicht, man könnte auch sagen eine katholische, eine allumfassende. Eine solche aber ist nur möglich, wenn man schon beim Titel inne hält, ihn auf sich wirken lässt, und sich fragt, was das heisst, „laudato si“. Denn jede Sicht der Dinge, welches dieses „laudato si“ ausklammert, welche Gott, den Vater, den allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde beiseite schiebt, ist einseitig, und deshalb nicht nur zum richtigen Verständnis des Textes, sondern auch als Ansatz irgendwelcher, auch noch so gut gemeinter Lösungen unbrauchbar. Ja, jede Ausklammerung Gottes, und sei es auch nur in der Form einer Reduktion Gottes auf seine Liebe zu uns, war schon immer und ist es heute je länger je mehr, das Grundübel für so viele Probleme, so viel Ungerechtigkeit und Leid in dieser Welt.

Das einzige Heilmittel dagegen ist dieses bewusste „laudato si, gelobt und gepriesen sei der Herr, unser Gott. Ihm allein gebühren Ehre und Macht. Sein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“ Nur in einer Haltung des Lobens, des Dankes und der Anbetung stelle ich mich selber, den Menschen, ja die ganze Schöpfung, jedes einzelne Geschöpf, auf den ihm gebührenden Platz in der Schöpfungsordnung Gottes. Und nur diese Schöpfungsordnung Gottes garantiert Friede, Gerechtigkeit und Heil, soweit dies, trotz der Folgen der Erbschuld, hier und jetzt überhaupt möglich ist. Ein solcher Theozentrismus ist für unseren Heiligen Vater eine absolute Selbstverständlichkeit.

So gesehen ist die ganze Enzyklika ein einziger Aufruf zur Umkehr, zur Wiederentdeckung Gottes, für mich selber, für unsere Kirche, und dann für die ganze menschliche Gesellschaft. Diese Umkehr, diese neue Gesinnung, führt dann logischerweise zu jenen Taten und Haltungen, welche die anstehenden Probleme an der Wurzel anpacken, und nicht einfach einen Fehler durch einen anderen zu korrigieren versuchen. Diese Umkehr aber, diese neue Gesinnung hat uns Christus, der Herr, durch sein Kreuz und seine Auferstehung, durch unsere Erlösung aus Sünde und Schuld, neu ermöglicht.

„Ohne mich könnt ihr nichts tun“ sagt uns der Herr. Das gilt für mich, für die Kirche und die ganze menschliche Gesellschaft. Das ist jene Botschaft an alle Menschen ohne Ausnahme – nicht einmal ich selber - die allein eine bessere Welt schon hier und jetzt und das ewige Heil für die Vielen zu schaffen vermag. Das ist der Kern jener Neuevangelisation, die unser Heiliger Vater, gerade auch durch dieses Schreiben, von uns fordert.



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