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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Der pharisäische Sünder

Herr, Du weisst
26. Januar 2019
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Das Beispiel vom Pharisäer und vom Zöllner: (Lk 18,9-14) kennt wohl jeder. Auch in meiner Jugend wurde oft darüber gepredigt. Und dass es inzwischen nicht mehr aktuell sei, das wird wohl niemand ernsthaft behaupten. Aber letzthin überlegte ich mir, ob Christus, wenn er heute predigen würde, nicht auch noch das Beispiel vom pharisäischen Sünder anfügen würde.

Es war während der Danksagung nach einer Heiligen Beichte. Da fiel mir plötzlich auf, dass der Beichtvater eigentlich all meine Ausreden und Entschuldigungen akzeptiert und all meine Sünden irgendwie verharmlost hatte, auch jene, bei denen ich nicht so sicher war, dass sie tatsächlich auch harmlos waren. Irgendwie kam mir dann das Beispiel vom Zöllner und vom Pharisäer in den Sinn und ich überlegte mir, ob es nicht gerade heute auch Pharisäer gibt, welche sich als Sünder vor Gott hinstellen und dann in etwa beten:

"Herr, Du weisst dass ich ein Sünder bin. Du weisst, wie oft ich Fehler mache und versage, ja, dass ich hin und wieder sogar Falsches tue, und manchmal sogar Böses. Es tut mir leid. Aber Du weiss ja, wenn das damals nicht gewesen wäre, wenn mir dieser nicht das und jener jenes angetan hätte, wenn man nicht immer provozieren würde, wenn man mir mehr helfen, mich besser verstehen würde, wenn man mir nicht immer alles Vergangene vorhalten und mir nicht immer den Mut nehmen würde neu anzufangen, dann wäre das alles, oder zumindest das meiste davon nicht passiert, und müsste ich nicht heute befürchten, schon morgen wieder in die alten Fehler zu verfallen. Ich bitte Dich, steh allen bei, welche mir zum Stein des Anstosses, zum Ärgernis oder gar zur Verführung werden, damit ich in Friede und Freude Dich lieben kann, so wie Du es eigentlich für uns willst."

Dabei wurde mir plötzlich klar, dass das oft auch mein Gebet sein könnte, vielleicht sogar ist, dass auch in mir ein solcher "pharisäischer Sünder" steckt. Wie schwer ist es doch, schlicht und einfach zu akzeptieren, dass ich effektiv gesündigt habe. Möglich, dass dabei äussere Einflüsse eine grosse Rolle gespielt haben. Natürlich weiss Gott alles und wird mich gerecht richten. Aber gerecht heisst nicht, dass er all meine faulen Ausreden akzeptiert. Sicher verzeiht Gott immer und immer wieder, wenn ich zu ihm umkehre. Er wird mir aber auch immer und immer wieder sagen: "Geh, und sündige nicht mehr. Und scheibe die Schuld nicht immer auf deine Nächsten, denn damit verbaust du dir nur den Weg zu echter Umkehr."


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