Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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z'Predigt ga
(Zur Predigt gehen)  

der Sinn des Gottesdienstes

13. Februar 2015

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 Meine reformierten Schuldkollegen damals sprachen nicht davon, zur Messe zu gehen – diesen Begriff kannten sie gar nicht . Sie sprachen auch nicht von einem Gottesdienstbesuch. Sie redeten immer nur davon, „z’Predigt ga“ was zu Deutsch heisst: „zur Predigt gehen“. Zentrum ihres Kirchganges war, wenn sie überhaupt gingen, die Predigt, umrahmt von ein paar Gebeten und Gesängen. Daran erinnerte ich mich, als ich las, Kardinal Robert Sarah habe bei der Vorstellung des neuen Leitfadens zur Verbesserung der Predigten gesagt: „für viele Gläubige entscheide heute eine interessante oder langweilige Predigt über die Qualität des gesamten Gottesdienstes.“

Nun, es gab und gibt Katholiken, denen die Predigt das wichtigste am sonntäglichen Gottesdienst ist. Vor vielen Jahren schon erzählte mir ein Theologiestudent von einem Pfarrer, der ein ausgezeichneter Prediger sei. Bei seinen Gottesdiensten sei die Kirche immer voll. Daneben gab und gibt es auch Katholiken, denen die Musik, die kulturellen Momente im Gottesdienst entscheidend sind. Orchestermessen oder neuerdings sogar Fasnachtsmessen, locken eine je spezifische Zielgruppe an. Dann gibt es die starke Gruppe jener, die Gemeinschaft suchen, vor, während und nach dem Gottesdienst. Dazu gehören auch jene, denen das Mahl das wichtigste ist. Die Gruppe jener aber, die sich der Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi wirklich bewusst sind, dürfte relativ klein sein.

Die Eucharistie aber muss, wenn sie gut sein soll, katholisch sein. Sie muss und darf all das umfassen. Jeder Teil, jeder Aspekt gehört dazu. Für all das sagen wir Dank und preisen wir Gott, unseren Herrn. Wirklich zentral aber muss das Kreuz, unsere Erlösung, bleiben. Ohne sie macht alles andere keinen christlichen Sinn. Ohne das Kreuz kann man von allem anderen sagen: „Das tun auch die Heiden.“ Wenn wir die Qualität des Gottesdienstes von einem einzelnen Teil abhängig machen, zum Beispiel von der Predigt, haben wir nichts begriffen, könnten wir genauso gut bei den Reformierten z’Predigt gehen.




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