Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Spruch des Herrn

 
Ez 22,23-31

 
Wo sind unsere Propheten geblieben?

13. März 2019
Gedanken-
splitter Archiv

Aphorismen
Gedanken-
splitter

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten







 
Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, sag zu dem Land: Du bist ein Land, das nicht vom Regen begossen, nicht benetzt wird am Tag des Zorns. Mitten in ihm sind seine Fürsten wie brüllende Löwen, die auf Beute aus sind. Sie fressen Menschen, nehmen Schätze und Kostbarkeiten an sich und machen viele Frauen im Land zu Witwen. Seine Priester vergewaltigen mein Gesetz. Sie entweihen, was mir heilig ist. Zwischen heilig und nicht heilig machen sie keinen Unterschied. Sie belehren niemand mehr über unrein und rein und vor meinen Sabbat-Tagen verschließen sie die Augen. So werde ich mitten unter ihnen entweiht. Mitten in ihm sind seine Beamten wie Wölfe, die auf Beute aus sind; sie vergießen Blut und richten Menschenleben zugrunde, um Gewinn zu machen. Seine Propheten aber übertünchen ihnen alles. Sie haben nichtige Visionen, verkünden ihnen falsche Orakel und sagen: So spricht Gott, der Herr - obwohl der Herr gar nicht gesprochen hat. Die Bürger des Landes erpressen und rauben. Sie beuten die Schwachen und Armen aus und erpressen die Fremden gegen jedes Recht. Da suchte ich unter ihnen einen Mann, der eine Mauer baut oder für das Land in die Bresche springt und mir entgegentritt, damit ich es nicht vernichten muss; aber ich fand keinen. Darum schütte ich meinen Groll über sie aus. Ich vernichte sie im Feuer meines Zorns. Ihr Verhalten lasse ich auf sie selbst zurückfallen - Spruch Gottes, des Herrn.

Ob wir nicht vielleicht wieder mehr die ganze Schrift lesen sollten, statt nur einzelne Abschnitte? Müssten wir uns in der Verkündigung nicht wieder mehr bemühen, nicht alles auslassen, was die heutige, einseitige Sicht auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit stören könnte? Sollte nicht auch in der heutigen Zeit Gott jener sein dürfen, der uns eindringlich mahnt und warnt vor unseren falschen Wegen, dessen "Drohworte" nicht einfach leere Versprechungen sind?

Wenn wir in unsere heutige Welt und Kirche hineinsehen, dann stellt sich die Frage, ob wir wirklich so viel besser sind als das Volk Israel damals, als Gott ihm solche mahnenden Propheten senden musste, um es zur Umkehr zu bewegen. Wir rennen doch auch mit offenen Augen in unser Unglück. Wir hören doch auch lieber auf jene, welche uns eine bessere Welt schon hier und jetzt versprechen, eine Welt, welche wir selbst, nötigenfalls auch ohne Gott, realisieren könnten. Auch wir vergewaltigen heute Gottes Gesetz, auch wir unterscheiden nicht mehr zwischen heilig und nicht heilig, auch wir verschliessen die Augen von den Tagen des Herrn. Auch bei uns gibt es Propheten, welche ihre eigene Meinung als die Lehre der Kirche, als Gottes Wort zu verkaufen suchen.

Wo ist heute jener Mann, der eine Mauer baut und für das Land in die Bresche springt, damit Gott nicht auch heute unser Verhalten auf uns zurückfallen lassen muss? Ist es wirklich auszuschliessen, dass all das Unheil und die Katastrophen in unserer Welt und Kirche auch deswegen von Gott zugelassen werden, dass er deswegen nicht eingreift und unsere vielen Bitten nicht erhört, damit wir unser Fehlverhalten einsehen, umkehren und uns aus Sünde und Schuld erlösen lassen durch das Kreuz seines Sohnes?

Gott ist unendlich barmherzig. Er ist aber auch unendlich gerecht. Und er lässt seiner nicht spotten. Dazu sind wir immer wieder versucht, wenn es uns zu gut geht, wenn wir glauben, uns ohne ihn selbst verwirklichen zu können. Aber er sendet uns auch heute noch seine Propheten, und sei es "nur" in solchen Worten der Schrift. "Wer nicht hören will, muss fühlen!" Herr öffne uns die Augen und Ohren für Deine Mahnungen und Warnungen, damit uns wieder besser gehe hier auf Erden und wir einst in jene Ewigkeit gelangen, wo wir ganz selbstverständlich deinen heiligen Willen erfüllen, aus Liebe zu dir.


******



Home
weitere Texte
Archiv
nach oben