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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Ein grösseres Publikum erreichen?

Verkündigung heute
22. April 2017

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Gemäss einem Interview in der Solothurner Zeitung vom 21. April mit dem Bildungsverantwortlichen des Bistums schickt Bischof Gmür seine Seelsorger in Predigtkurse. „Wenn es uns nicht gelingt, die Leute anzusprechen, werde die Kirche untergehen“ zitiert der Interviewte den deutschen PR-Mann Erik Flügge. Es scheint, als sei der Sinn und Zweck der Übung, ein grösseres Publikum anzusprechen, „wie erreichen wir die Leute“ die Hauptfrage.

„Wie erreiche ich die Leute?“ Diese Überlegung bestimmt in der Werbewirtschaft heute alles und jedes. Welch sonderbare Blüten diese Haltung treiben kann, erleben wir tagtäglich. Sollte also bei uns nicht viel mehr die Frage im Vordergrund stehen, mit was wir die Menschen erreichen? Wäre es nicht wichtig immer zuerst zu überlegen, welche Botschaft zu verkünden Christus der Herr uns aufgetragen hat „ob man es hören will oder nicht“ wie Paulus seinen Schüler Timotheus ermahnt? (2.Tim 4,2) „Es gab lange die Tendenz, gerade in traditionelleren Kreisen, vermeintlich zu wissen, was richtig und was falsch ist. Aber es geht nicht darum, geschlossene Antworten zu geben, sondern offene. Wir verkünden Werte und Haltungen.“ weicht der Bildungsverantwortliche dieser Frage aus.

Wenn wir uns aber ehrlich die Frage nach dem Inhalt der Verkündigung stellen, so drängt sich sofort auch die andere Frage auf: „Wie vermittle ich diesen Inhalt glaubwürdig?“ Eines ist wohl jedem Menschen klar: Ein Tanzen um den heissen Brei bringt diesbezüglich gar nichts. „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.“ lehrt uns die Schrift. (Mt 5,37) Und etwas anderes wird heute oft zu wenig bedacht: Wenn das Wort der Verkündigung dem Wort der Liturgie auch nur zu widersprechen scheint, schadet dies der Glaubwürdigkeit von Beidem. Das Gleiche gilt auch, wenn von lehrbeauftragten Personen die eine dies, die andere etwas anderes und die dritte das Gegenteil der beiden anderen verkündet. Ein Drittes kommt dazu: Glaubwürdig werden wir erst, wenn die Menschen merken, dass wir auch all das glauben was wir verkünden und feiern. Je mehr wir uns dann noch bemühen, aus diesem Glauben zu leben, umso besser. Mehr als ein Bemühen wird das zwar kaum sein. Doch, wenn auch noch so viele Menschen sich an unsere Fehler klammern um sich um das eigene Bemühen drücken zu können, so schadet das der Botschaft viel weniger als meist behauptet wird. Jeder einigermassen vernünftige Mensch weiss in seinem Innersten, dass jeder Mensch, und wenn er der Papst wäre, immer und immer wieder den Weg der Umkehr gehen muss.

Mit der eigenen, wenn nötig täglichen, Umkehr, mit Glaubwürdigkeit auf der Kanzel wie im alltäglichen Gespräch, und mit einer unser ganzes Leben bestimmenden - und damit auch sichtbaren - Gottesbeziehung erreichen und überzeugen wir weit mehr Menschen als „mit gewandten und klugen Worten“ welche oft nur „das Kreuz Christi um seine Kraft bringen“.(vgl. 1.Kor 1,17) Nichts gegen eine sogfältige und Predigtaus- und weiterbildung. Doch das Problem der Glaubwürdigkeit allen Seelsorgenden (und natürlich auch uns selber) immer wieder in Erinnerung zu rufen wäre wohl der erfolgreichste Predigtkurs.


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