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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Ich glaube, aber nicht alles

Glaube ohne Offenbarung?

21. September 2015

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Sie sei katholisch und ziemlich religiös, erzählte mir jüngst eine Dame. (Es hätte genauso gut ein Mann sein können.) Sie mache in der Kirche mit und gehe auch relativ fleissig zu den Gottesdiensten. Aber sie glaube selbstverständlich nicht alles. Sie gebrauche auch ihren Verstand.

Man trifft sie immer häufiger, diese Christen, die zu glauben behaupten, und zuerst einmal sehr genau wissen, was sie nicht glauben. Wenn es dann aber darum geht, was sie konkret glauben, oder was unsere Kirche in dieser oder jener Frage genau sagt und was nicht, dann haben sie meist nicht mehr als einen blassen Dunst, oder eine vorgefasste Meinung auf Grund irgendwelcher Schlagworte des Mainstreams.

Eigentlich müsste man solche Leute einmal fragen, was denn ihre Vernunft zu einer solchen Haltung sagt. Man kann doch nicht vernünftigerweise darüber urteilen, ob man etwas glauben will oder nicht, bevor man sich nicht im Klaren darüber ist, was die fragliche Glaubenslehre konkret bedeutet. Man kann logischerweise auch nicht aus dem Glauben leben, wenn man nicht weiss, was dieser Glaube konkret sagt und was nicht. Es ist wohl auch ziemlich unvernünftig, einen Gottesdienst zu besuchen, wenn man kaum eine Ahnung hat, mit welchem Gott man es da zu tun hat. Und schlussendlich wird doch jeder klare Verstand uns sagen, dass es Dinge, Wahrheiten gibt (oder dass solche zumindest denkbar sind), welche unseren menschlichen (geschöpflichen) Verstand übersteigen.

Kommt dazu, dass jeder vernünftige Mensch weiss, dass er allein nie alles wissen und schon gar nicht alles sicher wissen, erfahren, und erforschen kann. Schon bei unseren allernächsten Mitmenschen sind wir immer wieder darauf angewiesen zu glauben, was sie uns über sich mitteilen. Warum sollte das bei Gott nicht genauso, ja noch viel mehr der Fall sein? Um irgendetwas vom ihm sicher glauben zu können, sind wir auf seine Offenbarung angewiesen. Ohne sie ist all unser Denken reine Spekulation, bei dem was wir glauben genauso, wie bei dem, was wir nicht glauben. Und da sich Gott entschieden hat, sich nicht jedem einzelnen Menschen persönlich zu offenbaren, sind wir darauf angewiesen jenen zu glauben, die er mir der Verkündigung beauftragt hat. Warum Gott sich nicht jedem persönliche zeigt, wer und wie er ist, hat zum einen den Grund, dass unsere Sinne und unser Verstand gar nicht in der Lage sind, ihn so zu erkennen, wie er wirklich ist. Zum anderen aber ist dies auch ein Geschenk Gottes an uns, das Geschenk unserer Freiheit. Gott zwingt niemanden, ihm zu glauben, obwohl er dies könnte. Er will unseren freien Glaubensentscheid, und das heisst nichts anderes als unsere freie Liebe zu ihm.

„Ich glaube an Gott“ beten wir. Das heisst also auch; „Ich glaube Dir, mein Herr und mein Gott“. Und so wird aus dem statischen Glaubenswissen, das uns der Katechismus lehrt, eine lebendige Glaubens- und Liebesbeziehung zu jenem Gott, der uns liebt, ja, der sich uns als die Liebe in Person geoffenbart hat.



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