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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Realpräsenz

Die verlorene Wahrheit
7. Mai 2019
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Es war eine sehr schöne Erstkommunionfeier. Beim anschliessenden Apero waren alle voll des Lobes. Die Dekoration und Choreographie stimmten, der Kirchenchor gab sein Bestes, die Predigt und die ganze liturgische Gestaltung liessen nichts zu wünschen übrig. Der ganze Lärm in der gut gefüllten Kirche vor Beginn der Feier störte niemanden, scheinbar nicht einmal den Pfarrer und die Katechetinnen. Sogar das Gelächter des Kirchenchores auf der Empore ob einer lustigen Bemerkung des Dirigenten während des Einsingens ging darin unter.

Ja, auch die Predigt war vortrefflich. Vom Auferstanden war viel die Rede und davon, dass er jetzt besonders bei uns sei, mit uns gehe, für uns das sei. Auch vom heiligen Brot war die Rede in welchem Christus jetzt ganz besonders hier sei. Und dann natürlich auch davon, dass wir einander lieben müssen, dass wir allen Armen, Benachteiligten und Unterdrückten helfen sollten und so weiter. Mir als alten Mann aber fehlte da etwas.

Wenn ich mich an meine Erstkommunion erinnere, so war damals in der Vorbereitung wie in der Feier selbst noch sehr intensiv die Rede davon, dass nach der Heiligen Wandlung das Brot nicht mehr Brot ist, dass zwar die Gestalt, das Aussehen und der Geschmack geblieben, das Wesen aber gewandelt wurde in den Leib unseres Heilands. Das Gleiche wurde auch vom Wein gesagt, der nun gewandelt ist in das Blut Christi. Sogar das Wort «Realpräsenz» war uns bekannt und wurde in der Predigt den Gläubigen gerade an diesem Tag wieder einmal nachdrücklich in Erinnerung gerufen. Daraus floss dann die Ermahnung zum ehrfurchtsvollen Umgang mit den heiligen Gestalten, zur Anbetung des Allerheiligsten, und auch zum entsprechenden Verhalten in der Kirche, welche nicht zuletzt auch in diesem Sinn der ganz besonderen, wahren, realen Gegenwart des Herr als Haus Gottes bezeichnet wurde.

Heute glaubt man, den «theologischen Begriff der Realpräsenz» den Gläubigen nicht mehr zumuten zu können, schon gar nicht den Kindern. Aber geht damit nicht das Bewusstsein verloren, dass die eucharistische Gegenwart Christi nicht einfach die Umschreibung eines Mysteriums ist, von dem wir nichts Sicheres sagen, geschweige denn glauben können? Läuft das im Endeffekt nicht auf eine Leugnung jener göttlichen Offenbarung hinaus, welche die Kirche den Auftrag hat zu bewahren und zu verkünden? Kann das nicht dazu führen, dass wir schlussendlich nicht einmal mehr dem Wort unseres Herrn und Erlösers glauben, der gesagt hat: «Dies ist mein Fleisch, dies ist mein Blut» und anderer Stelle: «Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank.»?

Und das ist nur ein Beispiel, wie heute mit einer zeitgemässen Sprache die Glaubenswahrheiten zeit(geist)gemäss verändert, verharmlost, und relativiert werden. Und niemand kann diesen Glaubenslehrern den Irrtum nachweisen, denn was sie sagen ist wahr, aber leider nur die halbe Wahrheit.


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