Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Christus, unser Erlöser  

Brief an einen ehemaligen Redemptoristen

25. August 2014

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Lieber José

Deinen Kommentar im Berner Pfarrblatt vom 18. Juni 2014 habe ich erst gestern gesehen. Zumindest deiner Interpretation des Begriffs „Redemptor“ im Namen der Kongregation vom Allerheiligsten Erlöser (Redemptoristen) muss widersprochen werden. Dieser Name stammt aus dem Wahlspruch, den der heilige Alphons von Liguori seiner Gemeinschaft gegeben hat: „copiosa apud eum redemptio“ (Überreich ist bei ihm die Erlösung) der aus dem Psalm 129 der Vulgata (130 in der Einheitsübersetzung) genommen ist. Dieser ganze Psalm spricht von nichts anderem als von der Vergebung der Sünden und endet mit der Verheissung: „Ja, er (der Herr) wird Israel erlösen / von all seinen Sünden.“ Diese Verheissung nimmt dann der Verkündigungsengel in Mt 1,21 wieder auf und bezieht sie auf Christus, womit ganz klar die Gottheit dieses soeben empfangenen menschlichen Wesens bezeugt wird. Das Wappen dieser Kongregation zeigt das Kreuz auf drei Hügeln mit den Marterwerkzeugen. Dieses Wappen ist auch auf dem Professkreuz abgebildet, das Du höchstwahrschein ebenfalls erhalten hast. Aus dem Leben des Heiligen Alphons wissen wir, dass das Schwergewicht seiner Verkündigung auf dieser Erlösung im Sinn der Vergebung der Sünden durch den Kreuzestod unseres Herrn lag. Die Redemptoristen waren lange Zeit für ihre Volksmissionen berühmt, deren Kerngedanke das paulinische „Lasst Euch mit Gott versöhnen“ (2.Kor 5,20) war.

Zu meiner Internatszeit in Matran (Deine dürfte nicht sehr viel später gewesen sein) wäre es niemandem auch nur im Traum in den Sinn gekommen, in diesen Wahlspruch irgendwelche befreiungstheologische Gedanken hinein interpretieren zu wollen. Auch war damals jedweder Zweifel an der wahren Gottheit Christi undenkbar. Wir können also davon ausgehen, dass Du deine Ordensgelübde abgelegt hast im Glauben an die Heilige Dreifaltig, wie er in beiden Glaubensbekenntnissen dargelegt ist, insbesondere im grossen, das wir damals jeden Sonntag beteten. Auch Deine Priesterweihe hast Du auf der Basis dieses Glaubens empfangen, zusammen mit dem Auftrag, im Dienst der Kirche diese Lehre zu verkünden. Ebenso bist Du auf den Namen dieses dreifaltig einen Gottes getauft, und hast Dich in Deiner Firmung bewusst und öffentlich dazu bekannt. In unserer Internatszeit lehrte man uns auch, dass der christliche Glaube, der Glaube aller christlichen Konfessionen, wesentlich auf diesen beiden Elementen, der Trinität und dem Kreuzesopfers, aufgebaut sei, dass sich niemand wahrhaft Christ nennen könnte, der sich nicht auf jenen Christus stützt, der als wahrer Mensch und Gott die Menschen durch sein Leiden, Tod und Auferstehung aus ihren Sünden erlöst hat.

Weshalb Du nun plötzlich das Ganze uminterpretiert in eine Befreiung im weltlichen, materiellen und/oder psychologischen Sinn, kann ich nicht nachvollziehen. Besonders bedenklich scheint mir Deine Aussage, die Botschaft Christi befreie von falschen Schuldgefühlen. Was Du unter falschen Schuldgefühlen verstehst sagst Du zwar nicht konkret. Wir alle aber wissen, dass mangelndes oder verdrängtes Schuldgefühl der Erlösung diametral entgegen steht. Dies behindert oder verhindert gar die Versöhnung zwischen uns Menschen und die Versöhnung mit Gott, und führt oft zu Anklagen gegen alles und jeden, das oder der eine konkrete Schuld hätte verhindern können, hätte man sich nicht als „freier“ Mensch darüber hinweg gesetzt. Einen inneren Frieden allerdings schenkt dies uns nicht.

Gelobt sei Jesus Christus, unser Herr und Erlöser
Dein Stefan Fleischer


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