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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Religion

Was ist das?

15. März 2018
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„Religion ist die Beziehung des Menschen zu Gott. Der Mensch bindet sich zurück (lat. re-ligere) an Gott, seinen Schöpfer, dem er alles verdankt, was er ist und hat, und der ihn zur Vollendung führen will.”

Diese Definition findet sich in Kathpedia. Sie entspricht dem, was uns damals im Religionsunterricht gelehrt wurde, und was mir bisher als unbestritten schien. Vor einiger Zeit nun hörte ich eine andere Definition. Religion komme von relegere, was wörtlich „wieder lesen, wieder auflesen, wieder zusammennehmen“, und im übertragenen Sinn „bedenken, beachten“ bedeute. Ursprünglich gemeint sei „die gewissenhafte Sorgfalt in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften.“ Wikipedia führt diese Definition auf Cicero (1. Jh.v. Chr.) zurück. Unter Etymologisches wird dann erwähnt, dass zu Beginn des 4. Jahrhunderts der christliche Apologet Lactantius das Wort religio dann auf religare „zurück-, an-, festbinden“ zurückführte.

Was heisst das nun für uns? Mir scheint klar, dass es diese heidnische Definition gibt, wie sie von Cicero gebraucht wird, dass diese aber dann für das Christentum nicht mehr genügte und deshalb neu formuliert werden musste. Um die etymologisch richtige Herkunft des Wortes brauchen wir uns hier nicht zu kümmern. Besonders „die gewissenhafte Sorgfalt in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften.“ genügte nicht mehr. Christus ist gekommen ist, die Gebote zu erfüllen. (vgl. Mt 5,17) Erfüllung der Gebote im christlichen Sinn aber ist Liebe. „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. (Joh 14,21)“ Der Christ hält die Gebote aus Liebe zu Gott und zu seinem Nächsten. Das ist weit mehr ihre Einhaltung um der Einhaltung willen, aus Furcht vor den rächenden Gottheiten.  Das ist Beziehung, das ist Rückbindung an Gott.

Es scheint nun, dass die christliche Definition von Religion selbst unter Christen oft nicht mehr wirklich verstanden und beherzigt wird, sodass man zur heidnischen zurückkehrt. Einerseits lässt sich damit gut den Kampf gegen eine „eine Religion von Gesetzen und Vorschriften“ führen, andererseits lässt sie sich auch zu Rechtfertigung des modernen Relativismus gebrauchen. „Wieder (neu) lesen, (neu) bedenken“ sind hier die Schlagworte. Solche erlauben es dann „selber wissen, selber entscheiden zu können, was gut und böse ist“. Dabei geht dann darum, dass alles „für mich stimmt“.

Das wiederum liegt ganz auf der Linie des modernen Egozentrismus. Die moderne Religion wird so zu einem Mittel, meine persönlichen Bedürfnisse nach Spiritualität, nach Transzendenz oder wie immer man das nennen will, zu befriedigen. Sie kommt auch der heutigen Verpflichtungsscheu entgegen. Sie wird dann unverbindlich und leicht an meine persönliche Situation und Erfordernisse anpassbar.

Ich glaube, in dieser Situation heisst Neuevangelisation zuerst einmal, das genuin christliche Religionsverständnis neu zu verkünden und damit natürlich Gott als Person, genauer gesagt als der eine Gott in drei Personen, der sich uns offenbart – als der liebende sicher – aber immer zuerst als der: „Ich bin der Herr, Dein Gott“. Denn nur zu einem solchen Gott ist eine Rückbindung unseres Lebens überhaupt sinnvoll und möglich.




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