Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Gottes Barmherzigkeit

 
Mt 7,1-2

 
Und die Gerechtigkeit?

29. Mai 2016
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Spruch der
Woche






Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!  Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.


„Gottes Barmherzigkeit für uns, Gottes Gerechtigkeit für alle anderen, unchristlicher geht es wohl kaum.“

Dieser Spruch eines Aphoristikers könnte ein Weckruf in unsere Kirche heute hinein sein. Ist es nicht so, dass obige Stelle der Schrift - wie so viele andere auch - beim heutigen Verständnis (und in der Verkündigung) der Barmherzigkeit Gottes allzu oft ausgeblendet werden? Vor einiger Zeit fragte mich jemand, ob Strafen und Richten tatsächlich aus unserem christlichen Gottesbild verbannt werden dürften. Gerade diese Bibelstelle sagt ganz klar Nein. Wir selber dürfen nicht richten. Unsere Barmherzigkeit ist gefragt. Aber möglich wird eine solche Haltung erst, wenn wir unser Vertrauen voll auf die absolute Gerechtigkeit Gottes setzen, auch dort, wo wir diese nicht begreifen. Das Verlangen nach Gerechtigkeit hat Gott allen Menschen genauso ins Herz gelegt wie das Verlangen nach Barmherzigkeit. Diese Stelle zeigt uns, wie wir beides unter einen Hut bringen können. Es geht darum, den Anderen nicht zu richten (was nicht zu verwechseln ist mit in Liebe belehren), selber aber zu leben im Bewusstsein der letzten Dinge, wie man früher so treffend sagte. Das braucht uns absolut keine Angst zu machen. Wie wir gerichtet werden, das entscheiden wir selber. Wir selber geben Gott dem Massstab in die Hand, den er an uns anlegen wird. Unsere Barmherzigkeit erlaubt es Gott, mit uns barmherzig zu sein, auch dort, wo er sonst, um der Gerechtigkeit willen, strafen müsste. Ob dieser Gedanke theologisch unanfechtbar ist, weiss ich nicht. Er kann und muss sicher noch weiter gesponnen werden. Und schon das könnte sehr nützlich sein in einer Welt, die ständig nach Gerechtigkeit schreit, aber Gott verbieten will, gerecht zu sein.


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