Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die richtige Richtung

  Mt 7,13-14
 
Wir haben ein Ziel

25. Septmber 2019
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Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn.

Als ich kürzlich in Zürich umsteigen muss, da sah ich weiter vorne die Anzeige IC5. Der Intercity 5, das ist mein Zug, dachte ich. Ich stand schon fast auf der Rolltreppe als ich plötzlich realisierte, dass mein Zug nach Hause doch normalerweise nicht auf diesem Perron fährt. Beim genaueren Hinsehen las ich dann auf der Anzeigetafel «St.Gallen». Mein Zug aber fährt Richtung Lausanne. Dieser wartete schon beim nächsten Perron.

Nun könnte man sich aufregen, dass die Strecke in beiden Richtungen gleich heisst. Man könnte sich aber auch fragen, was Gott uns mir einem solchen «Zufall» sagen will. Vielleicht es ist ein wenig weit hergeholt in einer solchen Situation Gott zu bemühen. Aber wenn Gott will, dass wir ihn immer und überall in unser Leben hineinnehmen, oder besser gesagt, dass wir ihm erlauben sich jederzeit in unserem Leben bemerkbar zu machen, so kann auch das ein Versuch sein, uns seiner Gegenwart bewusst zu werden.

Später, als dann der Zug dem Jurasüdfuss entlang raste, da kam mir das Gleichnis von den zwei Wegen in den Sinn. Ob uns der Herr heute diese Wahrheit vielleicht an Hand der beiden Züge näherbringen würde, von denen der eine in die richtige, der andere in die entgegengesetzte Richtung fährt? Wenn wir sehen wie viele Menschen heute auf jeden Zug aufspringen, der ihnen Heil, einen Himmel auf Erden, verspricht, während der Gegenzug Richtung ewige Heimat - meist noch halb leer - auf dem Perron weiter hinten wartet, dann ist das nicht von vornherein ausgeschlossen. Und wenn wir dann bedenken, dass auch uns selbst immer wieder solche Züge in die Augen stechen, welche auf den ersten Blick als die richtigen erscheinen, aber in die falsche Richtung abfahren werden, dann wissen wir, dass auch wir immer wieder eine solche Warnung nötig haben.

Übrigens, der Vergleich mit dem Zug bringt uns noch auf einen weiteren Gedanken. Wenn ich nun gedankenlos in den falschen Zug eingestiegen wäre, so hätte ich vermutlich bald gemerkt, dass er in die falsche Richtung fährt. Ich bin die Strecke schon oft gefahren. Ich hätte dann beim nächsten Halt aussteigen und den Gegenzug nehmen können. Das hätte zwar eine Verspätung in meinem Zeitplan bewirkt. Vielleicht hätte ich dann auch den Bus verpasst und hätte ein Stück laufen müssen. Aber nach Hause wäre ich wahrscheinlich trotzdem noch gekommen, ausser ich hätte so den letzten Zug verpasst.

Es ist es sehr tröstlich, dass auch auf unserem Weg zur ewigen Heimat solche Fehler immer wieder korrigierbar sind. Was es dazu braucht ist zuerst einmal, dass wir uns immer wieder bewusst machen, wohin die Reise gehen soll. Je besser wir das Ziel im Auge behalten, desto schneller und besser erkennen wir, wenn die Richtung nicht mehr stimmt, in welche wir gehen. Dann gilt auch aufmerksam zu bleiben auf die vielen Hinweistafeln und Durchsagen, die Gott uns schenkt, und dabei genau darauf zu achten, dass wir nicht auf jene hereinfallen, welche den «Gegenzug» betreffen. Das aber ist auch eine Sache der Übung. Und nicht zuletzt müssen wir uns selbst immer besser kennen lernen, merken, wo unsere Stärken und Schwächen liegen. Stolz auf der einen und Bequemlichkeit auf der anderen sind z.B. die häufigsten Angriffspunkte des Widersachers um uns in die falsche Richtung zu leiten.

Ein Prediger sagte einmal, der Tod sei für uns der letzte und endgültige Entscheid für oder gegen Gott, für ein ewiges Leben mit ihm oder ohne ihn. Wenn die Ausrichtung unseres Lebens auf Gott hin stimmt, beziehungsweise wenn wir uns immer sofort wieder neu auf ihn ausrichten wo dies nötig ist, so werden wir uns dann wohl ganz selbstverständlich für Gott entscheiden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir auch dann noch in den Gegenzug einsteigen und so unser ewiges Glück verscherzen.

Wir haben keinen Traum. Wir haben ein Ziel. Wir kennen die Richtung, den Weg, den es zu gehen gilt. Der Rest ist ein wunderbares und unergründliches Zusammenspiel von Gott und Mensch, von Gnade und Bemühen.


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