Vernachlässigte Aspekte - Einzeltexte
Stefan Fleischer

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Der gute Samen

 
Mt 13,3-8z 33, 17-20

 
Verkündigung heute

23. Februar 2019
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Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.

Der Same ist das Wort Gottes und der Sämann ist die Kirche, sind wir alle, die wir als Jünger gesandt sind: "Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" (Mk 16,15) Tun wir das auch? Wenn heute in unseren Kreisen immer wieder Klagen über das mangelnde Glaubenswissen zu hören sind, dürfen wir diese Frage sicher nicht einfach ausklammern.

In diesem Gleichnis jedoch setzt Christus das stillschweigend voraus. Seine Sorge ist, dass wir das auch richtig tun. Drei bedeutsame Fehler, die wir machen können, zeigt er uns auf. Zuerst einmal spricht er davon, dass wir uns auch überlegen sollten, wohin wir unseren Samen streuen. Wenn wir ihn auf unsere sauber geteerten Strassen streuen, wo er von den Putzmaschinen wieder zusammengefegt und entsorgt wird, hilft das niemandem. Oder wenn wir die Botschaft vom Reich Gottes einfach so in unsere schnelllebige Zeit hinein werfen, dann erleben wir es vielleicht, dass sie bisweilen sogar auf Begeisterung stösst. Wenn dann aber die Hitze des Tagesgeschäftes kommt, verdorrt die aufkeimende Saat sehr oft und sehr schnell. Und wir können auch an die Ränder gehen so oft und so lange wir wollen. Wenn wir die zarten Pflänzchen welche so vielleicht zu wachsen beginnen, nicht aus dem Gestrüpp dieser Welt herausnehmen und auf guten Boden bringen, dann riskieren wir das, was Christus andernorts beschrieben hat: " Und wenn er (der unreine Geiste) es (das Haus) bei seiner Rückkehr leer antrifft, sauber und geschmückt, dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder." (Mt 12,44-45)

Damit unsere Verkündigung reichlich Frucht bringt, muss sie auf guten Boden fallen. Warum der Herr dies nicht weiter ausführt, weiss ich nicht. Vermutlich war es all seinen Zuhörern klar, dass ein solcher Boden vorbereitet sein will, gepflügt, gedüngt, geeggt und dann noch über die ganze Zeit hindurch gepflegt. Auch das braucht den ganzen Einsatz jener, die als Sämann das Wort ausstreuen wollen. Gerade in unserer Zeit, wo Arbeitsteilung gross geschrieben wird, besteht die Gefahr, dass wichtige Schritte vergessen oder vernachlässigt oder werden. Wenn die Katechese dann Glaubenskenntnisse voraussetzt, welche noch nicht vorhanden sind, dann wird der Erfolg sicher nicht optimal sein. Was zum Beispiel im Elternhaus nicht gewachsen ist, fällt später sicher nicht einfach so vom Himmel.

Dann ist da auch noch das Unkraut, von welchem der Herr im folgenden Gleichnis spricht: "Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?" (Mt 13,24-30) "Das hat ein Feind von mir getan" ist die Antwort. Vergisst die Verkündigung von heute nicht oft diesen "bösen Feind", wie man ihn früher nannte? Und dass dieser Feind sich auch gerne unter die Arbeiter oder wenn möglich sogar unter die Verwalter, mischt, dass dann ein Teil des Samens veruntreut und durch Unkrautsamen ersetzt wird, das erleben wir heute mehr denn je.

"Lasst beides wachsen bis zur Ernte." Das soll uns nicht zur Passivität gegenüber dem Unkraut verleiten. Wenn aber das Unkraut einmal mitten im Unkraut wächst, dann ist die Gefahr gross, dass der Kampf dagegen auch die halbe Ernte vernichtet. Was wir dann tun will gut überlegt sein. Dann ist es sicher nie falsch, den Herrn der Ernte um Rat zu fragen, und notfalls auf sein gerechtes Urteil am Tag der Ernte zu vertrauen.

Es gibt noch sehr viel zu tun. Bitten wir den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter auf seine Felder sende. Und bemühen wir uns selbst ein solcher fleissiger, kluger und treuer Arbeiter zu sein.


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