Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Arme Hunde, reiche Schweine  

und unser soziales Verhalten

04. Mai 2014


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Auf aphorismen.de las ich kürzlich den Spruch von Walter Ludin: „Warum bezeichnen wir oft „arme Hunde“ und nicht „reiche Schweine“ als unsozial?“ und dies kurz nachdem ich jemanden hatte sagen hören: „Ich armes Schwein.“ Da fiel mir ein, dass damals, in meiner Jugend von jenen „armen Teufeln“ die Rede war, die im Armenhaus der Gemeinde lebten. Daraufhin überlegte ich mir; wenn es also arme Hunde, Schweine und Teufel gibt, so gibt es doch wohl nicht nur reiche Schweine, sondern auch reiche Teufel und reiche Hunde. Wir leben schlussendlich im Zeitalter der Gleichberechtigung. Doch offensichtlich gleichberechtigt sind auch Schweine nicht, je nachdem sie einerseits arm oder reich sind, und andererseits, ob nun ein reicher Hund oder ein armer Teufel von ihnen spricht. Solche „tierischen“ Bezeichnungen für unsere lieben Nächsten sind immer sehr emotionsgeladen. Das kann von zärtlich-liebend bis zur Verteufelung gehen.

Was also ist ein Schwein, ein Hund oder ein Teufel? Im Normalgebrauch ist das noch einigermassen klar. Im übertragenen Sinn sind diese Begriffe sehr facettenreich. Noch schwieriger wird es allerdings, wenn wir fragen, was denn eigentlich arm und was reich sei. Da lassen sich vielleicht gewisse mathematische Grenzen ziehen, sehr willkürliche allerdings, je nach Standort des Beobachters. Dass aber arm sein auch ganz andere Ursachen haben kann als der Kontostand, das merken wir spätestens, wenn es uns entschlüpft: „Ich Armer!“

Ist es also, so gesehen, abwegig zu fragen, was denn eigentlich sozial und was unsozial sei? Sicher, auf den ersten Blick scheinen diese Begriffe klar. Aber wie der Spruch von Walter Lundin zeigt, nicht immer. Ein Begriff, der hier hilfreich sein könnte, heisst: „ausschliessend“. Unsozial wäre dementsprechend, wer andere Menschen aus seiner Gesellschaft ausschliesst. Und dass dazu jeder von uns fähig ist, ob er nun ein reiches Schwein oder ein armer Hund ist, das merken wir spätestens bei der nächsten ehrlichen Gewissenserforschung. Warum beginnen wir also unser Bemühen, sozial zu sein, nicht damit, dass wir immer zärtlich-liebend von unsren Nächsten sprechen, gleichgültig welche Begriffe wir auch für ihn verwenden?


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