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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Seelsorge heute

Wo bleibt die Seele?
29. August 2019
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Auf der Homepage unseres Bistums findet sich ein Dokument, unterzeichnet vom Generalvikar, mit dem Titel: «Neue Berufsbezeichnungen ab, 1. August 2019»
[1]   Darin heisst es: «Diesen drei Berufsgruppen (Priester, Diakon, Theologe/Theologin) gemeinsam ist das abgeschlossene Theologiestudium, die Berufseinführung im Bistum (oder eine gleichwertige Ausbildung) und die Ernennung/Beauftragung (Missio canonica) durch den Bischof bzw. Bischofsvikar. Die Personen aus einer dieser drei Berufsgruppen werden als Seelsorger/Seelsorgerin bezeichnet.» Personen der vierten Berufsgruppe (Katechet/Katechetin) werden nicht so genannt. Der Begriff «Laientheologe / Laientheologin» soll nicht mehr verwendet werden, ebenso der Begriff Pastoralassistent/-in. Letztere werden neu Pfarreiseelsorger/-in genannt.

Auf den ersten Blick scheint es, das würde die Seelsorge wieder vermehrt in den Vordergrund der pastoralen Tätigkeiten gerückt. Nur geht leider aus dem Papier nicht hervor, was konkret unter Seelsorge zu verstehen ist. Wenn es dann heisst, «der Auftrag der Katecheten/Katechetinnen wird umfassender verstanden» (als die Bezeichnung Religionspädagoge/-in, welcher das schulisch-pädagogische Wirken zu einseitig betont), so kann man sich sicher fragen, weshalb das Wirken dieser Berufsgruppe nicht auch als eine seelsorgerliche Aufgabe verstanden wird.

Zu meiner Jugendzeit jedoch verstand sich der Begriff Seelsorger viel enger. Er war dem Priester vorbehalten, welcher auf Grund seiner Weihe auch in der Lage war, diese Aufgabe, die Sorge um das ewige Heil der unsterblichen Seelen, wirklich voll zu erfüllen, inklusive der Spendung der für das Seelenheil notwendigen Heilmittel, der Sakramente. Die Ausweitung des Begriffs auf fast das ganze Spektrum der pastoralen Arbeit spiegelt meines Erachtens den Paradigmenwechsel von gottzentriert zu menschzentriert wider. Sie wirft aber auch die Frage auf, ob nicht auch der Begriff Seele eine ganz neue, diesseits- statt jenseitsfokussierte Bedeutung erhalten hat.

Wann wurde uns das letzte Mal das verkündet, was der Katechismus der Katholischen Kirche in Art. 366 schreibt: «Die Kirche lehrt, dass jede Geistseele unmittelbar von Gott geschaffen ist- sie wird nicht von den Eltern ,,hervorgebracht" - und dass sie unsterblich ist: sie geht nicht zugrunde, wenn sie sich im Tod vom Leibe trennt, und sie wird sich bei der Auferstehung von neuem mit dem Leib vereinen.» Uns wurde damals noch erklärt, dass es diese gottgeschaffene Seele ist, welche den Menschen erst «gottfähig» macht. Wo nun diese Sicht der Seele verloren geht, wird diese - wenn nicht de jure, so doch de facto) - zum (religiösen) Teil unserer Psyche. Seelsorger aber sind dann nur noch auf dieses Teilgebiet spezialisierte Psychiater, beziehungsweise Psychophygieniker, wenn ihnen eine vollwertige psychiatrische Ausbildung fehlt.

Die moderne Theologie hat, aus Angst vor dem Schlagwort des Leib-Seele-Dualismus, ganze Generationen um das Bewusstsein jener Würde gebracht, welche auf der Göttlichkeit (wenn man es einmal so sagen darf) unserer unsterblichen Seele beruht. Und es sind zurzeit nur wenige Anzeichen auszumachen, welche auf Anstrengungen zur Wiederbelebung dieses Bewusstseins hindeuten würden. Wie sollte man auch, solange Gott nur noch dazu existiert, um uns ein besseres Leben hier und jetzt zu ermöglichen, oder zumindest zu versprechen, und solange unser ewiges Heil ein Automatismus ist, irgendwie eine Schuldigkeit Gottes uns gegenüber?

[1] http://www.bistum-basel.ch/Organisationsentwicklung-Pastoralraume/Neue-Berufsbezeichnungen-ab-1-August-2019.html     oder in Kurzform:    http://bit.ly/2UcWKTB



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