Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Seelsorge heute

Was heisst eigentlich Seelsorge?

18. April 2015

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 „Wer sorgt sich schon um die Seelen der Seelsorger?“ fragte in unserer Zeitung ein Kommentator des unerwarteten Rücktritts des Stadtpfarrers von Solothurn. Daraufhin sah ich mich veranlasst, ihm persönlich die Frage zu stellen, eine Frage, die wohl allgemein gültig ist: „Was verstehen Sie unter den Begriffen „Seele“ und „Seelsorge“? Wenn ich Sie richtig interpretiere, so setzen Sie den Begriff „Seele“ mit dem Begriff „Psyche“ gleich. Dann aber wird aus der „Seelsorge“ eine psychologische und/oder psychiatrische Begleitung, bzw. Betreuung. In diesem Fall bin ich mit Ihnen einverstanden, dass Herr Pfarrer X eine solche wohl gebraucht hätte. Die Frage aber ist dann, ob bei seiner Anstellung seine psychische Belastbarkeit genügend geprüft wurde. Sein Werdegang einerseits und die enorm schwierige Aufgabe als Pfarrer in der heutigen, schwierigen Situation unserer zerstrittenen Kirche, und das am Bischofssitz selber, hätte eine solche Prüfung sicher gerechtfertigt. Eine Person, welche Pater X aus seiner Zeit im Kloster persönlich kannte, äusserte mir gegenüber schon bei seiner Wahl schwerwiegende Bedenken. Eine entsprechende Begleitung von Anfang an wäre vermutlich angebracht gewesen.

Vielleicht müsste aus diesem Verständnis von Seelsorge heraus sogar die Frage gestellt werden, ob nicht alle Seelsorgenden einer psychologischen Begleitung bedüften. Ihre Ausbildung ist doch immer noch sehr theologielastig. Die Theologie aber ist aus dieser Sicht nicht viel mehr als die Apotheke, aus der die „Psychohygieniker“ – wie früher einmal ein Kommentator sie nannte - jene Mittelchen beziehen, die sie dann ihren „Patienten“ verabreichen. Dieser Zustand rührt daher, dass das ganze Ausbildungskonzept eigentlich immer noch – auch wenn man sich dessen vielfach gar nicht mehr so richtig bewusst ist – auf der ursprünglichen Bedeutung von Seelsorge als der Sorge um das ewige Heil der unsterblichen Seelen aufgebaut ist. Damit aber sind wir bei der Frage, ändern wir die Ausbildung, oder besinnen wir uns wieder auf die ursprüngliche Bedeutung von Seelsorge? Die zweite Variante würde viel Druck und Stress von den Seelsorgenden nehmen, besonders wenn sie sich dadurch wieder bewusst würden: „Wo der Herr das Haus nicht baut, bauen die Bauleute umsonst.“



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